Bestattungspflicht in Deutschland

Die Pflicht, im Todesfall für eine ordnungsgemäße Bestattung des Leichnams zu sorgen, ergibt sich aus der Totenfürsorge. In Deutschland ist die Bestattungspflicht in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer geregelt, die sich jedoch nicht grundlegend unterscheiden. Bestattungspflichtig sind demnach die Angehörigen, abhängig vom Verwandtschaftsgrad.

Schleswig-Holstein Brandenburg Berlin Hamburg Hessen Bayern Rheinland-Pfalz Thüringen Nordrhein Westfalen Bremen Niedersachsen Sachsen-Anhalt Sachsen Mecklenburg-Vorpommern Saarland Baden-Württemberg

Vorrangig obliegt dem Ehepartner oder Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft die Bestattungspflicht – und in absteigender Präferenz weiteren Angehörigen, wie etwa den Kindern, Eltern, Großeltern, Geschwistern und Enkelkindern. Um minderjährige Kinder, Enkelkinder oder Geschwister von der Bestattungspflicht auszunehmen, ist diese je nach Bestattungsgesetz an die Volljährigkeit oder die allgemeine Geschäftsfähigkeit des Angehörigen geknüpft. Sind mehrere Personen auf einer Ebene bestattungspflichtig, beispielsweise weil es mehrere Kinder gibt, wird üblicherweise die älteste Person in die Pflicht genommen.

In einigen Bundesländern ist die Bestattungspflicht recht weit gefasst, so dass selbst entfernte Verwandte und Personensorgeberechtigte in der Pflicht stehen. In Hamburg und Bayern etwa zählen sogar Verschwägerte ersten Grades zu den Bestattungspflichtigen. Ausführliche Details zu der Gesetzeslage in den jeweiligen Ländern sind am Ende des Artikels aufgeführt.

Bestattungspflichtige in den Bundesländern

Die Bestattungspflichtigen werden in den Bundesländern nach einer bestimmten Reihenfolge für die Tragung der Kosten einer Beisetzung herangezogen. Mit einem Klick auf Ihr Bundesland in der oben abgebildeten Deutschlandkarte, können Sie sich über die für Sie geltende Abfolge informieren.

Baden Württemberg

1. die Ehegattin oder der Ehegatte
2. die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner
3. die Kinder
4. die Eltern
5. die Großeltern
6. die Geschwister
7. die Enkelkinder

Bayern

Nach Absatz 1 können verpflichtet werden


1. die Ehegattin oder der Ehegatte,
    die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner,
    die Verwandten und Verschwägerten auf- und absteigender Linie,
    die Adoptiveltern und Adoptivkinder,
    die Geschwister des Verstorbenen und deren Kinder;
    die Reihenfolge der Verpflichteten soll sich nach dem Grad der Verwandschaft oder Schwägerschaft richten;
2. die Personensorgeberechtigten
3. der Betreuer, soweit die Sorge für die Person des Verstorbenen zu dessen Lebzeiten zu seinem Aufgabenkreis gehört hat.

Berlin
§ 16 Bestattungspflichtige Personen
(1) Für die Bestattung der Leiche haben zu sorgen:
1. der Ehegatte oder Lebenspartner
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Geschwister 
5. die Enkelkinder
6. die Großeltern
Brandenburg

1. die Ehegattin oder der Ehegatte
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Geschwister
5. die Enkelkinder
6. die Großeltern
7. der Partner einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft

Bei Paaren oder Mehrheiten geht die ältere Person vor.

Bremen

1. der Ehegatten oder der eingetragene Lebenspartner
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Geschwister

Hamburg
1. die Ehegattin oder der Ehegatte
2. die ehelichen und nichtehelichen Kinder
3. der Ehegatte oder Lebenspartner der ehelichen und nichtehelichen Kinder
4. die Stiefkinder
5. der Ehegatten oder Lebenspartner der Stiefkinder
6. die Enkel
7. der Ehegatten oder Lebenspartner der Enkel
8. die Eltern
9. die Geschwister
10. die Stiefgeschwister
11. die Großeltern
12. die Verschwägerten 
13. die Kinder der Geschwister
14. die Geschwister der Eltern
15. die Kinder der Geschwister der Eltern
16. der Verlobte auch im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetz
17. die Lebensgefährten
Sind mehrere Personen einer Rangfolge vorhanden, so hat der ältere Angehörige das Vorrecht vor dem jüngeren Angehörigen.
Hessen

1. der Ehegatte oder der Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Großeltern
5. die Enkel und Geschwister
6. die Adoptiveltern und -kinder

Mecklenburg-Vorpommern

1. die Ehegattin oder der Ehegatte
2. die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes
3. die Kinder
4. die Eltern
5. die Geschwister
6. die Großeltern
7. die Enkelkinder
8. sonstige Partner einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft

Niedersachsen

1. die Ehegattin oder der Ehegatten / die eingetragene Lebenspartnerin oder der eingetragene Lebenspartner
2. die Kinder
3. die Enkelkinder
4. die Eltern
5. die Großeltern
6. die Geschwister

Nordrhein Westfalen

1. die Ehegattin oder der Ehegatten / die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Geschwister
5. die Großeltern
6. die Enkelkinder

Rheinland-Pfalz

1. die Ehegattin oder der Ehegatten / die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner
2. die Kinder
3. die Eltern
4. sonstige Sorgeberechtigte
5. die Geschwister
6. die Großeltern
7. die Enkelkinder

Saarland

1. die Ehegattin oder der Ehegatten / die eingetragene Lebenspartnerin oder der eingetragene Lebenspartner 
2. die Kinder
3. die Eltern
4. der Partner einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft
5. die Geschwister
6. die Großeltern
7. die Enkelkinder

Sachsen

1. die Ehegattin oder der Ehegatten / die eingetragene Lebenspartnerin oder der eingetragene Lebenspartner 
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Geschwister
5. der Partner einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft
6. Sonstige Sorgeberechtigte
7. die Großeltern
8. die Enkelkinder
9. Sonstige Verwandte bis zum 3. Grade

Kommt für die Verantwortlichkeit ein Paar (Nummer 3 und 7) oder eine Mehrheit von Personen (Nummer 2, 4, 8 und 9) in Betracht, so geht jeweils die ältere Person der jüngeren in der Verantwortlichkeit vor.

Sachsen-Anhalt

1. die Ehegattin oder der Ehegatte
2. die Kinder
3. die Eltern
4. die Großeltern
5. die Geschwister
6. die Enkelkinder

Schleswig-Holstein

1. die Ehegattin oder der Ehegatten / die eingetragene Lebenspartnerin oder der eingetragene Lebenspartner 
2. die leiblichen und adoptierten Kinder
3. die Eltern
4. die Geschwister
5. die Großeltern
6. die Enkelkinder

Thüringen
1. die Ehegattin oder der Ehegatte
2. der Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft
3. die Kinder
4. die Eltern
5. die Geschwister
6. die Enkelkinder 
7. die Großeltern 
8. der Partner einer auf Dauer angelegten nicht ehelichen Lebensgemeinschaft
Kommen für die Bestattungspflicht nach Satz 1 Nr. 1 bis 8 mehrere Personen in Betracht, so geht jeweils die ältere Person der jüngeren Person vor; Beauftragte gehen Angehörigen vor.
Was bedeutet die Bestattungspflicht für die Angehörigen?

Neben der Beisetzung im engeren Sinne ergeben sich weitere Pflichten: Dem Bestattungspflichtigen obliegt das Veranlassen einer Leichenschau (Todesbescheinigung) sowie die Sterbefallanzeige beim Standesamt. Das Bestattungsrecht beinhaltet eine Pflicht zur Bestattung auf ausgewiesenen Flächen („Friedhofszwang“), der der Bestattungspflichtige für eine ordnungsgemäße Bestattung ebenfalls nachkommen muss. Aus der Bestattungspflicht resultiert jedoch das Recht, in wichtigen Fragen eine Entscheidung zu treffen, sofern der Verstorbene hierzu keine eigenen Verfügungen getroffen hat – insbesondere hinsichtlich der Art der Bestattung sowie der Friedhofs- und Grabeswahl.

Die Bestattungspflicht ist dabei unabhängig von der Erbrechtslage und davon, ob überhaupt ein vererbbares Vermögen vorhanden ist. Auch in dem Fall, dass ein Bestattungspflichtiger sein Erbe ausschlägt, steht er gegenüber dem Verstorbenen weiterhin in der Bestattungspflicht. Ein Erbe wiederum, der selbst nicht bestattungspflichtig ist, hat nicht das Recht, über die Art und Weise der Bestattung zu bestimmen. Eine Ausnahme bildet das Bundesland Rheinland-Pfalz, wo abweichend vor den Familienangehörigen vorrangig der Erbe bestattungspflichtig ist.

Weigert sich ein Bestattungspflichtiger trotz bestehender Bestattungspflicht, sich um die Bestattung zu kümmern, wird das örtliche Ordnungsamt – im Wege der Ersatzvornahme – die Bestattung veranlassen und dem Bestattungspflichtigen die Kosten später in Rechnung stellen.

Wer muss die Kosten einer Bestattung tragen?

Grundsätzlich hat derjenige, der in der Bestattungspflicht steht, die Kosten zu tragen oder dem zu ersetzen, der die Bestattung veranlasst hat. Für den Fall, dass der Nachlass des Verstorbenen zur Deckung der Kosten nicht ausreicht, steht der Bestattungspflichtige mit seinem Privatvermögen dafür ein. Verfügt auch der Bestattungspflichtige über kein Vermögen, aus dem er die Kosten bestreiten könnte, kommt in letzter Instanz der Staat dafür auf („Sozialbestattung“).

Hinterlässt allerdings der Verstorbene ein Vermögen und gehört der Bestattungspflichtige selbst nicht zu den Nutznießern, muss der Erbe für die Kosten aufkommen. Die Pflicht zur Kostentragung ist in § 1968 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelt. Dort heißt es: „Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers.“

Gibt es Ausnahmen von der Pflicht zur Kostentragung?

Nein, Ausnahmen sind nicht vorgesehen! Selbst ein fehlender Kontakt zwischen dem Verstorbenen und dem Bestattungspflichtigen entbindet letzteren nicht von der Bestattungspflicht.

Ein Sonderfall liegt lediglich bei einem Todesfall mit Fremdverschulden vor. In solchen Fällen steht der Todesverursacher in der Kostentragungspflicht – die Angehörigen des Opfers können von ihm die Bestattungskosten zurückverlangen. Dies regelt § 844 BGB, Absatz 1: „Im Falle der Tötung hat der Ersatzpflichtige die Kosten der Beerdigung demjenigen zu ersetzen, welchem die Verpflichtung obliegt, diese Kosten zu tragen.“ Eine verschuldensunabhängige Sonderregelung für tödliche Unfälle im Straßenverkehr enthält zudem das Straßenverkehrsgesetz (§ 10 StVG).

Welche Möglichkeiten gibt es, die Kosten im Vorfeld in Erfahrung zu bringen?

Die Kosten einer Bestattung sind hoch – erst recht, wenn sie dem persönlichen Verhältnis zu Lebzeiten angemessen ist und einen würdigen Eindruck vermittelt. Abhängig sind sie dabei von der Bestattungsart und regionalen Gebühren. Die Auflistung von Kostenpunkten bei einer Bestattung führt vor Augen, dass im Todesfall mit hohen Ausgaben zu rechnen ist. Mit 6.000 bis 8.000 Euro schlägt eine Bestattung durchschnittlich zu Buche – Folgekosten für die Dauergrabpflege sind da noch nicht einmal mit eingerechnet. Um die ungefähren Kosten einer Bestattung zu berechnen, bietet sich der Bestattungskostenrechner an. Mit einer Bestattungsverfügung nehmen Sie zudem Einfluss darauf, dass alles so wird, wie Sie es sich vorstellen.

TIPP: Sichern Sie die Bestattungspflicht frühzeitig finanziell ab! Eine Sterbegeldversicherung bietet Ihren Angehörigen im Todesfall Unterstützung zu überschaubaren Kosten. Die Versicherung zahlt einen Geldbetrag, der bestenfalls sämtliche Bestattungskosten abdeckt. Berechnen Sie gleich jetzt den Versicherungsbeitrag für Ihr Wunschbegräbnis: Bestattungsvorsorge

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