Behindertentestament

Behindertentestament – sichere Vererbung an Menschen mit Behinderung

28.07.2017 / Testament

Behindertentestament – sichere Vererbung an Menschen mit Behinderung

Das Behindertentestament ist nicht, wie der Name vermuten lässt, ein im Namen einer Person mit Behinderung ausgestelltes Testament. Es handelt sich dabei viel mehr um ein Testament, in dem eine Person mit Behinderung beerbt wird, ohne dass die staatliche Förderung für Pflege- und Heimkosten dadurch entfällt.

Geistig und körperlich behinderten Personen, die in einem Heim wohnen oder Pflege in Anspruch nehmen, steht die finanzielle Unterstützung des Staates zu. Sobald die Person mit Behinderung jedoch über Vermögen verfügt, wird dieses bis auf einen festen Anteil (das sogenannte Schonvermögen) vom Staat für die Pflege eingefordert. Erst wenn dieses Vermögen aufgebraucht wurde, besteht wieder Anspruch auf staatliche Leistung.

Erbe für Kinder mit Behinderung vor staatlichem Zugriff schützen

Wenn Eltern ein Testament aufsetzen, in dem sie hauptsächlich ihre Kinder bedenken, ist der Hintergedanke natürlich, dass das Geld auch bei den Kindern ankommt. Eine nahezu vollständige Abgabe an den Staat ist meist nicht im Sinne der Erblasser. Um diese Situation im Falle einer Behinderung eines oder mehrerer Erben zu vermeiden, setzt man das sogenannte Behindertentestament auf.

Nacherbschaft und Testamentsvollstrecker

Zum Schutz des Vermögens, das der Person mit Behinderung hinterlassen werden soll, wird hier der juristische Weg der Nacherbschaft und der Testamentsvollstreckung gegangen. Die Person mit Behinderung wird als Vorerbe eingetragen, eine oder mehrere andere Personen sind die Nacherben. Dem Vorerben steht das Vermögen nicht frei zur Verfügung, er bewahrt es viel mehr für den oder die Nacherben auf. Lediglich über Erträge, beispielsweise Zinsen, verfügt der Vorerbe. Der Staat kann also keinen Anspruch auf das geerbte Geld erheben, da der Vorerbe (die Person mit Behinderung) selbst nicht darüber verfügt.

Zusätzlich sollte die Person mit Behinderung einen Dauertestamentsvollstrecker haben, der bereits zu Lebzeiten der Erblasser bestimmt wird. Dieser Vollstrecker kann eine vertraute Person aus der Familie oder dem Freundeskreis sein und lässt dem Behinderten zu bestimmten, im Voraus festgelegten, Zeitpunkten oder Anlässen einen Teil des Vermögens zukommen. Solche Anlässe können zum Beispiel Geburtstage oder Urlaube sein. Hierbei muss der Testamentsvollstrecker darauf achten, dass der ausgezahlte Teil des Vermögens niemals größer als das Schonvermögen ist, da sonst die Anrechnung für die Pflege- oder Heimkosten droht.

Da der gesetzliche Betreuer einer Person mit Behinderung den Testamentsvollstrecker kontrollieren soll, um zu prüfen, ob er im Interesse des Betreuten handelt, sollten diese Funktionen nicht von der gleichen Person ausgeführt werden. Wichtig ist es auch, einen ersatzweisen Testamentsvollstrecker zu benennen.

Behindertentestament vom Anwalt

Bei der Erstellung eines Behindertentestamentes gilt es viele Details und Regeln zu beachten, die weit über die handschriftliche Erstellung und weitere übliche Formalitäten für die Testamentserstellung hinausgehen. Aus diesem Grund ist es unbedingt ratsam, einen spezialisierten Anwalt oder Notar aufzusuchen und das Testament gemeinsam zu erstellen.

Nur so können Sie sicher sein, dass ihr Kind mit Behinderung oder die von Ihnen bedachte Person mit Behinderung auch tatsächlich von Ihrem vererbten Vermögen profitiert und dass das Geld nicht zur Deckung der Pflegekosten an den Staat geht.

Hierzu können Sie sich beispielsweise an den auf Vorsorgerecht spezialisierten Rechtsanwalt Lutz Arnold LL.M. richten. Er ist Vorsorge-Experte, erstellt unter anderem die Monuta Vorsorgedokumente und kennt sich mit den Themen Erbrecht und Testament bestens aus.