Patientenverfügung

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Nur jeder zweite Patient sorgt vor!

30.10.2017 / Vorsorgedokumente

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Nur jeder zweite Patient sorgt vor!

Die Hälfte aller Patienten in Deutschland verfügen weder über eine Vorsorgevollmacht noch über eine Patientenverfügung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Im Rahmen der Studie unter der Leitung von Professor Stefan Kluge, wurden 998 Patienten auf elf Intensivstationen befragt – das Ergebnis ist erschreckend. Nur 51 Prozent der Befragten verfügten über eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung.

“Damit können wir Ärzte viele Patienten weder juristisch abgesichert noch zweifelsfrei in ihrem Sinne behandeln”, sagt Professor Stefan Kluge, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Ohne diese Dokumente sei die Selbstbestimmung des Patienten nicht gegeben. Dadurch wird es im Ernstfall immer schwieriger für Ärzte, welche verpflichtet sind nach rechtlichen Vorgaben und Patientenwünschen vorzugehen, schnell und effektiv zu handeln.

40 Prozent aller vorliegenden Vorsorgevollmachten, sowie 44 Prozent aller Patientenverfügungen sind unvollständig ausgefüllt und damit schwer oder gar nicht interpretierbar. Problematisch ist zudem, wenn weder die Patientenverfügung, noch die Vorsorgevollmacht rechtlich wirksam sind und den behandelnden Ärzten dadurch die Hände gebunden sind. „Selbst eine mangelhaft ausgefüllte oder nicht interpretierbare Patientenverfügung kann zur Folge haben, dass Ärzte nicht eingreifen dürfen und der Patient gegen seinen Willen mit lebenserhaltenden Maßnahmen versorgt wird.“, so Kluge.

39 Prozent der Befragten haben sich bisher keinerlei Gedanken über diese Thematik gemacht. Ärzte raten dazu sich bereits ab dem 18. Lebensjahr um eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zu kümmern. Denn nur so kann vermieden werden, das ein fremder Betreuer für den Patienten entscheidet. Dies betont auch Professor Stefan Kluge: „Nur so können wir einen Intensivpatienten behandeln, wie er es sich wirklich wünscht“. Nur mit einer Patientenverfügung können Menschen festlegen, wie Sie im Ernstfall behandelt werden möchten – ob etwa lebenserhaltende Maßnahmen abgeschaltet oder künstlich Beatmung eingeleitet werden soll. Mit einer Vorsorgevollmacht hingegen wird festgelegt, wer auf Ihr Vermögen zugreifen darf und wer letztendlich über lebenserhaltende Maßnahmen in Ihrem Namen entscheiden soll. „Jeder Bundesbürger ab dem 18. Lebensjahr sollte eine vollständige Vorsorgevollmacht hinterlegt haben. Nur die klärt im Ernstfall, wer für den erkrankten Patienten in Gesundheitsfragen entscheiden darf.“, das betont Professor Kluge, Leiter der Studie und Intensivmediziner.

Dass sich die meisten Menschen keine Gedanken über diese Art der Vorsorge machen, liegt laut Kluge an der fehlenden Aufklärung der Patienten. Diese gehen davon aus, dass der Ehepartner oder die leiblichen Kinder für einen entscheiden dürfen, dem ist jedoch nicht so. In Deutschland gilt ein Selbstbestimmungsrecht, welches auch dem Ehepartner gegenüber in Kraft tritt. Hat man also nicht mit einer Patientenverfügung oder einer Vorsorgevollmacht vorgesorgt, besteht die Gefahr, dass ein gerichtlicher Vormund eingesetzt wird. Dieser entscheidet dann nicht nur über die Finanzen des Patienten, sondern auch über dessen Leben. Der große Nachteil besteht darin, dass es nicht unbedingt eine Person aus dem engsten Familienkreis sein wird, sondern gegebenfalls auch eine völlig fremde Person.

Des Weiteren lassen sich nur etwas mehr als 15 Prozent aller Patienten, bei der Erstellung der Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ärztlich unterstützen und beraten. Dass dies besonders wichtig ist, sagt auch Professor Kluge: “Es ist jedoch ratsam, das Schriftstück dem Hausarzt vorzulegen, um alle Unklarheiten zu beseitigen”. Das Problem hierbei ist jedoch, dass die Hausärzte kaum die Zeit für eine solche Beratung haben. Viele Menschen haben zudem Angst davor ein solches Gespräch überhaupt zu führen. Dabei ist eine ärztliche Beratung besonders wichtig. Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht sind nur dann rechtlich wirksam, wenn sie persönlich unterschrieben wurden. Notariell beglaubigt müssen sie nur in bestimmten Sonderfällen sein.

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