Sterbehilfe – Was ist erlaubt?

Sterbehilfe – Was ist erlaubt?

31.01.2018 / Sterbehilfe

Den Begriff Sterbehilfe haben die meisten Menschen schon mal gehört  doch was bedeutet er wirklich?

Wer sich um Sterbehilfe Gedanken macht, steht in der Regel am Scheideweg seines Lebens oder hat Angehörige für die dies gilt. Häufig haben Betroffene im Zuge einer Krankheit große Schmerzen oder haben im Alter den Lebenswillen verloren.

Eine Art von Sterbehilfe kann jeder von uns eines Tages durch gewisse Umstände benötigen. Es ist daher wichtig zu wissen, was im Rahmen des Erlaubten liegt und welche Möglichkeiten es gibt. Schließlich sollte es jedem Menschen trotz Alter oder Krankheit möglich sein, ein selbstbestimmtes Lebensende zu erhalten. Nehmen Sie im Zweifel unbedingt ärztliche und anwaltliche Beratung in Anspruch.

Sterbehilfe zum Sterben und Sterbehilfe im Sterben

Bei der Sterbehilfe zum Sterben geht es darum den Tod eines Menschen mutwillig herbei zuführen, was strafrechtlich, wie ein Mord geahndet wird. Dazu zählen z.B das Beenden einer lebenserhaltenden Therapie oder der assistierte Suizid. Auch die Tötung auf Verlangen ist ein Teil dieser Art von Sterbehilfe. Diese Art von Sterbehilfe ist in Deutschland verboten! Töten auf Verlangen wird mit 6 Monaten bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet. In Europa ist Sterbehilfe in den Niederlanden, Belgien und der Schweiz teilweise legal, während sie in Frankreich und Großbritannien ebenfalls strafbar ist.

Bei der Sterbehilfe zum Sterben wird zwischen verschiedenen Formen der Sterbehilfe unterschieden.

Freiwillige und nicht freiwillige Sterbehilfe

  • Von freiwilliger Sterbehilfe spricht man, wenn ein ausdrücklicher Wunsch des Patienten zum Sterben vorliegt. Hierfür muss die Entscheidungsfähigkeit, z.B. durch eine Patientenverfügung, garantiert werden. 
  • Die nicht-freiwillige Sterbehilfe beinhaltet eine dauerhaft eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit der Person bzw. des Patienten. Ebenso darf vom Patienten keine Äußerung zu dem Thema vorliegen. In diesem Fall entscheiden die Angehörigen in Absprache mit den Ärzten für den Patienten bzw. die Patientin, z.B in Form des Abschaltens lebenserhaltender Maßnahmen.
  • Bei der unfreiwilligen Sterbehilfe handelt es sich um das Töten eines Patienten, welcher gegen seinen, im Voraus geäußerten Willen, Sterbehilfe beansprucht. Bedenklich ist, dass in den meisten solcher Fälle noch die Einwilligung der Patienten eingeholt werden könnte.

Aktive und passive Sterbehilfe

  • Der aktiven und passiven Sterbehilfe stehen mehrere Bedeutungen zu. Man spricht vom aktiven Handeln, welches bewusst den Sterbeprozess beschleunigen soll, um dem Patienten Schmerzen zu ersparen. Dabei wird bewusst in den Krankheitsverlauf des Patienten eingegriffen. Im Grundgesetz Art. I Abs. 1 heißt es, dass: „[…] der Tod […] mit dem Selbstbild der Betroffenen vereinbar sein müsse; dies müsse auch den Modus des eigenen Sterbens einschließen, gegebenfalls auch die aktive Sterbehilfe.“
  • Die passive Sterbehilfe liegt dann vor, wenn das Sterbenlassen ohne ärztliche Eingriffe erfolgt. Dabei werden jegliche lebenserhaltenden Maßnahmen unterlassen oder nach und nach minimiert. Die im Sterbevorgang eingesetzte Sterbehilfe ist straffrei. Die strafbare Hilfe zum Sterben liegt dann vor, wenn keine unmittelbare Nähe zum Tod festgestellt wird und auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet wird. Die Passivität im Sterbeprozess kann aber auch das Ausschalten von Herz-Kreislauf-Maschinen bedeuten. Das geschieht, wenn eine Patientenverfügung vorliegt und der Patient ausdrücklich wünscht, nicht am Leben gehalten zu werden.

Direkte und indirekte Sterbehilfe

  • Des Weiteren kann man zwischen direktem und indirektem Eingreifen unterscheiden. Die direkte Sterbehilfe beinhaltet eine Lebensverkürzung. Die indirekte Sterbehilfe dagegen ist eine unbeabsichtigte Nebenfolge, die z.B durch eine Schmerzbehandlung, Überdosierungen oder scheiternde Schmerztherapien durch Morphium ausgelöst wurde.

Bei der Sterbehilfe im Sterben wird einer im Sterben liegenden Person Hilfe und Betreuung gewährt. Damit ist jene Hilfe gemeint, die man als Sterbebegleitung bezeichnet. Diese ist in Deutschland legal und wird von verschiedenen Institutionen und Krankenhäusern angeboten.

Die Bundesärztekammer befürwortet die aktive Sterbehilfe, weist aber auf dessen Strafbarkeit hin. Ärzte sind generell rechtlich dazu verpflichtet lebenserhaltende Maßnahmen zu gewährleisten. Dies kann nur vom Patienten selbst durch eine Patientenverfügung verhindert bzw. geregelt werden. Lebensverlängernde Maßnahmen dürfen demnach nur dann nicht angewandt werden, wenn eine Patientenverfügung vorliegt. Nähere Informationen zur Position der Bundesärztekammer finden Sie hier

Die evangelische bzw. katholische Kirche lehnt die aktive Sterbehilfe ab. Sie beruft sich dabei auf die 10 Gebote, in denen es unter anderem heißt „Du sollst nicht töten“. Die Kirchen empfehlen die Sterbebegleitung als Alternative zur Sterbehilfe.

Bei der Sterbebegleitung werden insbesondere alte und kranke Menschen während ihrer letzten Tagen intensiv betreut. Bei der Sterbebegleitung geht es darum Menschen in ihren letzten Tagen vor ihrem Tod beizustehen. Dies kann durch Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten und vor allem durch Freunde und Familie durchgeführt werden. Auch kirchliche Einrichtungen und karitative Institutionen bieten Sterbebegleitung an. Hier finden Sie nähere Informationen zu Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland.

Letztlich ist das Thema Sterbehilfe, insbesondere die passive und aktive Sterbehilfe, in Deutschland nach wie vor umstritten. Die Kirche ist gegen die aktive Sterbehilfe und die Bundesärzteschaft befürwortet diese. Für den Fall der Fälle können Sie am besten selbst mit den passenden Vorsorgedokumenten, wie z.B einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, vorsorgen.