Trauernde Geschwister - Wenn der Bruder oder die Schwester stirbt

08.04.2020 / Trauer

Wenn ein Geschwisterkind stirbt, ist plötzlich alles anders. Während die Eltern den schweren Verlust ihres Kindes zu verarbeiten versuchen und gleichzeitig den Alltag erhalten müssen, stehen Geschwister im Schatten des Ereignisses.

Kind Trauer nachdenklich

Henrik war gerade mal elf Jahre alt, als seine jüngere Schwester an Leukämie verstarb. Vier Jahre beobachtete er täglich den schweren Verlauf der Krankheit, schaute den Pflegern bei ihrer Arbeit zu und half mit, wo er konnte. Er war mehr als nur der große Bruder, er war Begleiter auf einem Weg, der viel zu früh endete. Wenn ein Geschwisterkind stirbt, wird das gesamte Familiensystem erschüttert. Während die Eltern den schweren Verlust ihres Kindes zu verarbeiten versuchen und gleichzeitig den Alltag erhalten müssen, stehen Geschwister im Schatten des Ereignisses. Für sie gilt es nicht nur den Verlust zu verarbeiten, sondern auch mit den Veränderungen im Familiensystem umzugehen.

Wie trauern Kinder um ihre Geschwister?

Und plötzlich ist alles anders. Der Tod des Bruders oder der Schwester hinterlässt die verzweifelte Frage nach dem "Warum". Sei es durch einen schweren Unfall oder eine Krankheit  - für Kinder ist es schwer zu greifen, was passiert ist. Neben tiefer Trauer sind auch Schuldgefühle keine Seltenheit. Die trauernden Eltern unter tiefen Emotionen zu sehen, verunsichert und lenkt die eigene Trauer in eine Art Hilflosigkeit. Kinder möchten helfen und verdrängen dabei nicht selten die eigenen Gefühle. Sie sind oft sensibler und schärfen ihre Antennen für ihre trauernden Eltern. So kommt es vor, dass sie ihre Trauer verstecken, um die Eltern in ihrem Trauerprozess nicht zusätzlich zu belasten. Kinder verstecken sich in ihren Welten, kreieren eigene Fantasien und versinken darin. Nicht selten, sind diese für Außenstehende verschlossen. Auch Eltern können nur bedingt in die Trauerwelt ihres Kindes einsehen. Geschwister trauern mit einer Intensität, die viele Familienangehörige nicht erwarten.

Jedes Kind trauert anders

Der Trauerprozess eines Kindes hat nicht den typischen Verlauf, so gibt es Kinder, die augenscheinlich überhaupt nicht trauern. Während die Eltern noch in den Tiefen des Verlustes stecken, sind es die Geschwisterkinder, die die Normalität im Familienleben erhalten. Sie möchten an Freizeitaktivitäten teilnehmen, spielen fröhlich und bleiben im Austausch mit Freunden. Andere wiederum sind gelähmt, verstummen, entwickeln Verlustängste und ziehen sich zurück. Schulischer Leistungsabfall, häufiges Kranksein, Essensverweigerung oder auch die Kompensation durch häufige Essattacken können aus der Trauer resultieren. Trauer verändert und wirft den Menschen, egal in welchem Alter, zurück. Bereits gelernte Fähigkeiten können zeitweise verloren gehen, dies wirkt sich besonders auf die Selbstständigkeit der Kinder aus. Daher ist es wichtig, dass Eltern versuchen, ihre Welt, ihre Gefühle, Ängste und Verletzungen besser zu verstehen. Geschwister haben oft enge Bindungen zueinander, die selbst von Eltern nicht in Gänze durchblickt werden. Und auch wenn es gelegentlich zu Streitigkeiten kam, ist die Geschwisterliebe eine der ersten Gefühle, die Kinder empfinden.

Wie können Eltern ihre Kinder bei der Trauer unterstützen?

Gefühle stehen in jedem Trauerprozess im Mittelpunkt. Ob Wut, Leere, Schmerz, Hoffnungslosigkeit oder Angst. Wenn eine Familie ein Kind verloren hat, dann ist der Trauerprozess ein familiärer Prozess. Und auch wenn jedes Familienmitglied auf eine andere Weise, in einer anderen Geschwindigkeit oder Intensität trauert, so kann der Prozess verbinden. Trauer ist ein gemeinschaftliches Gefühl und kann den Bund der Familie stärken. Eine der größten Herausforderungen für Eltern ist es, in der Zeit der Trauer ihren Rollen als Mutter oder Vater weiterhin gerecht zu werden. Für Eltern, die ein Kind verloren haben, rückt natürlich dieser Verlust ins Zentrum ihres Lebens. Gegenüber dem Kind, das nicht mehr da ist, verliert das überlebende Kind häufig an Bedeutung. Gerade in dieser Situation ist es für überlebende Geschwister besonders wichtig zu erfahren, dass sie von den Eltern genauso geliebt werden. Sie stellen sich die Frage “Würden sie ebenso tief trauern, wenn ich es gewesen wäre?” Auch ein kontrolliertes Nicht-Trauern bei Eltern kann für Kinder eine Quelle der Irritation sein. Die Trauer sollte in der Familie als Emotion gelebt und erklärt werden. Es ist wichtig und richtig zu trauern. Kinder brauchen die Stärke der Eltern, um mit ihrer Trauer umzugehen. Sie brauchen Begleitung und eine ehrliche Sprache, weil sie oftmals selbst nicht verstehen, was sie gerade bewegt.

Die Beerdigung als wichtiger Teil der Verarbeitung

Die Beerdigung stellt für viele Menschen einen wichtigen Meilenstein in der Trauerverarbeitung dar. Abschied von einem Verstorbenen zu nehmen bedeutet auch den Tod mit seinen Folge anzunehmen. Und auch für Kinder ist dieser Abschied essentiell. Die Teilhabe an der Organisation der Trauerfeier, wie das Verfassen von Fürbitten oder die Gestaltung des Blumenschmucks, lässt sie besser verarbeiten und realisieren, was passiert ist. Die Trauer ruft nicht nur negative Gefühle in Menschen hervor. So gehört es fast zu jeder Trauerfeier dazu, bei Speis und Trank auch lächelnd in Erinnerungen an den Verstorbenen zu schwelgen. Dies ist auch für Kinder hilfreich, um an positive Erfahrungen und Erlebnisse mit dem verlorenen Geschwisterkind zu erinnern. Sowohl für Eltern als auch für Geschwister ist es in dieser herausfordernden Zeit wichtig die Balance zu halten. Hilfe von außen ist von zentraler Bedeutung. Angehörige, Freunde oder auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern bietet Halt und Unterstützung für die ganze Familie.

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