In Frieden gehen lassen - Was tun, wenn ein geliebter Mensch im Sterben liegt?

09.03.2020 / Trauer, Vorsorge

Einen geliebten Menschen beim Sterben zu begleiten, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die einem das Leben stellen kann. Realisiert man, dass eine geliebte Person bald sterben wird, macht sich oft lähmende Hilflosigkeit breit. 

Mit dem Tag der Geburt beginnt für jeden Menschen der Eintritt in den Kreislauf des Lebens.

"Der Tod gehört zum Leben und das Leben zum Tod"

Eine Weisheit, die man sicher nicht zum ersten Mal liest. Wir alle müssen irgendwann sterben, doch die Vorstellung einen geliebten Menschen zu verlieren, ist für viele schlimm und belastend. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das bereits zu Lebzeiten weiß, dass sich der Kreis des Lebens auch wieder schließen wird und doch fällt es uns schwer darüber nachzudenken oder gar zu sprechen. 
Eine schwere Krankheit oder ein plötzliches Unglück können diese Gedanken auf einmal in greifbare Nähe rücken. Doch auch wenn Sie den Tod einer geliebten Person nicht abwenden können, so können Sie trotzdem helfen, den Sterbeprozess mit ihrer Begleitung zu einer würdevollen Zeit zu machen.

Nutzen Sie die Zeit

Ob Mutter, Vater, das eigene Kind, die Ehefrau oder der Ehemann - bei der Familie ist es besonders schwer zu akzeptieren, dass sich ein Leben dem Ende neigt. Besuche am Krankenbett, der schlechte Gesundheitszustand oder Veränderungen an Körper und Geist des geliebten Menschen machen es schwer, klare Gedanken zu fassen. Doch das Begleiten des Sterbenden ist auch ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung. Klare Momente bewusst aufzunehmen und auf das eigene Herz zu hören. Die Zeit mit dem Sterbenden für wertvolle Gespräche zu nutzen, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und Körperkontakt aufzunehmen. Streicheln Sie die Wange, halten Sie die Hand. Schenken Sie sich gegenseitig Aufmerksamkeit und Respekt. Gehen Sie achtsam mit sich selbst und mit dem Sterbenden um. Egal, in welchem Zustand er ist, er möchte ernst genommen, würdevoll behandelt und nicht bevormundet werden - genau wie jeder gesunde Mensch auch.

Aufgaben richtig verteilen

In dieser herausfordernden und emotionalen Zeit gilt es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sprechen Sie die Situation bei Ihrem Arbeitgeber an, lassen Sie sich, wenn nötig, krank schreiben und lagern Sie unwichtige Aufgaben aus. Rufen Sie einen Freund an und bitten Sie aktiv um Unterstützung. Hilfe anzunehmen hat oberste Priorität und auch wenn es sonst nicht Ihrem Wesen entspricht, jetzt ist es wertvolle Zeit, die sie dadurch gewinnen. Klare Gedanken zu fassen oder weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen kann einen in dieser speziellen Situation stark unter Druck setzen. Schenken Sie ihrem Geist daher den Freiraum sich auf die Gefühle und Situation einlassen zu können.

Trauer nicht unterdrücken

Weinen, schreien und andere Gefühlsausbrüche sind ebenfalls von großer Bedeutung. Sie befreien und entlasten die Seele. Die Situation, in der Sie sich befinden, ist schwer und das dürfen Sie sich eingestehen und die Trauer zulassen. Auch wenn wir das Gefühl der Trauer eher negativ verbinden, hat es einen durchaus positiven Effekt auf unseren Geist und zählt zu dem natürlichen Prozess des Abschiednehmens.

Ein letzter gemeinsamer Weg

Sehen Sie sich als Begleiter auf dem Weg des Sterbenden. Sie können dem Betroffenen das Sterben nicht abnehmen, aber Sie können ihn an die Hand nehmen. Dazu sollten Sie sich am besten über das Sterben und alles, was dazugehört, informieren. Hat der Sterbende vielleicht noch einen letzten Wunsch oder möchte er womöglich mit Ihnen über die Bestattung oder die Trauerfeier sprechen? Stellen Sie ihm einen Stift und ein Blatt Papier für Worte, die er nicht aussprechen möchte, zur Verfügung. Widmen Sie sich gemeinsam den schönen Dingen. Wenn normale Kost möglich ist, essen Sie das Lieblingsessen gemeinsam, wenn ein Ausflug möglich ist, fahren Sie gemeinsam an einen Lieblingsort. Diese letzten Tage werden Sie immer in Erinnerung halten.

Achten Sie auf sich

Ein wichtiger Punkt auf der letzten Reise sind ihre eigenen Kapazitäten. Auch wenn Ihr Augenmerk hauptsächlich auf den Bedürfnissen des Sterbenden liegt, müssen Sie auf sich selbst achten. Hören Sie auf die Anzeichen Ihres Körpers und nehmen Sie sich Auszeiten. Eine Verabredung, ein Kinobesuch oder auch Sport lassen Sie für einen kurzen Moment an etwas anderes denken. Vergessen Sie also nie, dass auch sie sich in einer schweren Ausnahmesituation befinden und seien Sie gut zu sich selbst.

 

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