tag2-montag-blumen

Tag 2 beim Bestatter: Ein Unternehmen wie jedes andere

15.01.2018 / Bestattungsunternehmen

Das Bestattungshaus „aus dem Siepen“, wo ich mein einwöchiges Praktikum absolvieren werde, wirkt sehr elegant und hell und strahlt eine gewisse Ruhe aus – ganz wie man es sich bei einem Bestatter wünscht. Eine solche Atmosphäre ist für Bestatter nicht die Regel – die Unternehmen wirken oft dunkel und wenig einladend. Hier ist dies nicht der Fall – einer der Gründe, warum ich mir dieses Unternehmen für mein Praktikum ausgesucht habe. An meinem ersten Tag werde ich herumgeführt und meinen Kollegen auf Zeit vorgestellt.

Ich merke sofort: Hinter der ruhigen Fassade handelt es sich um ein Unternehmen wie jedes andere. Die Mitarbeiter sind nett und kollegial, viele sind Quereinsteiger. Auf die Frage, wie man darauf kommt, mit Toten und Hinterbliebenen arbeiten zu wollen, geben sie ganz unterschiedliche Antworten. In der Regel ist es ein Familiengeschäft – es waren die Eltern und vor ihnen die Großeltern, die das Bestattungsunternehmen geführt haben, und als Kind ist man in den Beruf hineingewachsen, hat von Anfang an die Arbeit miterlebt und erlernt. Einer der Quereinsteiger hatte vorher einen regulären Bürojob, den er leid geworden ist. Er wollte etwas ganz anderes ausprobieren und entschloss sich für Bestattungen. Eine Mitarbeiterin betont: „Ich bin gut im Organisieren und Projektmanagement – und eine Bestattung ist nicht viel anders als eine Hochzeit: Es ist eine Veranstaltung, alles muss gut durchgeplant werden – schließlich gibt es die nur einmal.“

In gewisser Weise unterscheidet sich der Ablauf kaum von den meisten Unternehmen, Projekte werden gemanagt, es herrscht das Prinzip der Arbeitsteilung: Es gibt in diesem großen Unternehmen Abteilungen, die auf die einzelnen Schritte bei der Vorbereitung und Durchführung einer Bestattung spezialisiert sind. Jemand kümmert sich nur um die Abstimmung mit den Trauernden, ein anderer um Drucksachen wie etwa Einladungen, jemand anderes wiederum um die Amtsgänge. Hinzu kommen die handwerklichen Aspekte. Die Organisation wird durch eine Software erleichtert, über die alle Beteiligten den Stand des Auftrags einsehen können und ihre Aufgaben und Termine genau im Blick haben.

„Manchmal merke ich gar nicht, dass es um Tote geht“, gesteht ein Kollege. „Also reine Logistik?“ frage ich. So nüchtern sei es auch wieder nicht, betont der Mitarbeiter. „Es ist uns wichtig, dass die Würde des Verstorbenen gewahrt wird. Auch und vor allem für die Hinterbliebenen – die haben ohnehin schon eine schwere Zeit. Du hast zunächst nur unsere organisatorische Struktur kennengelernt. Das Anspruchsvollste kommt noch auf dich zu.“

In der Tat: Als nächstes schaue ich den Mitarbeitern bei der Verstorbenenversorgung über die Schulter und begleite danach die Kollegen von der Kundenberatung. Beides dürfte emotional anspruchsvoll werden – aber zum Glück habe ich in dem Bereich schon einige Erfahrungen gesammelt.

Auch wir verwenden Cookies, um Ihnen die Benutzung der Website zu erleichtern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen zu unseren Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung   Datenschutz/Cookies   Impressum