Tag 4 beim Bestatter: Opa ist gestorben

17.01.2018 / Bestattungsunternehmen

Nun kommt der Abschnitt meines Praktikums, der mich am meisten interessiert: Ich beobachte eine Kollegin bei ihren Beratungsgesprächen mit Hinterbliebenen. Hier geht es um die organisatorischen Aspekte einer Bestattung. Jedoch darf man nicht vergessen: Wir beraten Menschen, die gerade ein geliebtes Familienmitglied verloren haben und emotional leiden. Aus diesem Grund besteht unsere Aufgabe darin, mit Feingefühl alle notwendigen Informationen zu erhalten und so den Hinterbliebenen einen Großteil der Arbeit abzunehmen, damit sie trauern können.  

Heute begleite ich meine zeitweise Kollegin zu einem Verstorbenen nach Hause, um mit den Hinterbliebenen die Details der Bestattung zu klären. Zuvor hatte der Sohn beim Bestatter angerufen: „Papa ist gestorben“. Wir fahren zu der Familie nach Hause, die Kollegin hat einen Fragenkatalog bei sich, der Fragen zu allen Aspekten der Bestattung enthält, über die die Hinterbliebenen Entscheidungen fällen müssen. So stellen wir sicher, dass alle wichtigen Punkte geklärt sind.

Wir klingeln. Der Sohn des Verstorbenen öffnet die Tür. Er wirkt erschöpft, man sieht ihm den emotionalen Druck und die Trauer an. Wir sprechen unser herzliches Beileid aus und treten ins Haus. Auch der Rest der Familie ist da.

Nun ist Feingefühl gefragt: Den Hinterbliebenen fällt es sichtlich schwer, die Details zu besprechen – ich schätze, diese machen den Tod erst real. Das eine oder andere Mal korrigiert sich ein Familienmitglied: „Opa mag… mochte… Pfingstrosen“ und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Ich empfinde viel Empathie, und auch die Kollegin spendet tröstende Worte, reicht ein Taschentuch, nimmt die Trauernden in den Arm. Sie sollen sich gut aufgehoben fühlen und wissen, dass alles in ihrem Sinne und im Sinne des Verstorbenen geregelt wird. Im Gegensatz zu den anderen Aufgaben im Unternehmen ist dieser Teil unserer Arbeit menschlich bis ins Extreme. Dennoch dürfen wir das Hauptziel unseres Besuchs nicht aus den Augen verlieren: Die Formalitäten regeln, die Details und Abläufe klären und in die Wege leiten. In der Tat gibt es viele Fragen:

Wie soll der Verstorbene bestattet werden – handelt es sich um eine Erd- oder Feuerbestattung?

Wissen Sie, auf welchem Friedhof der Verstorbene beigesetzt werden soll, wenn es eine Erdbestattung wird? Schließlich gibt es nicht nur evangelische und katholische, sondern auch städtische Friedhöfe – mit sehr unterschiedlichen Preisen.

Und wie stellen Sie sich die Feier vor: Möchten Sie einen Trauerredner einsetzen? Soll ein Organist in der Trauerkapelle spielen? Wie groß soll die Feierlichkeit sein? Haben Sie schon eine Räumlichkeit oder sollen wir Sie dahingehend unterstützen?

„Meistens sind die Menschen alles andere als gefasst“, erklärt mir meine Kollegin später. Man müsse die Informationen herauskitzeln, gut zuhören. Aber es helfe, wenn die Menschen zusammen sind, sich gegenseitig Trost spenden, bei Entscheidungen unterstützen. Auch diese Familie trifft die Entscheidungen zusammen, es wird gemeinsam diskutiert, abgewogen und sich bei den anderen rückversichert. Was mich am meisten beeindruckt, ist die individuelle Herangehensweise. Meine Kollegin fragt die Trauernden nach Details über den Verstorbenen: Was war dem Menschen wichtig? Welche Hobbys hatte er? Gibt es Lieblingsmusik, -blumen oder -farben? Wo ist er gerne hingefahren?

„Wir wollen eine letzte gemeinsame Erinnerung schaffen, die auch den Verstorbenen in seinem Wesen widerspiegelt, und ermuntern die Angehörigen, etwas Persönliches über ihn zu erzählen, wichtige Erinnerungen wachzurufen. Kannst du dir ausmalen, welchen Unterschied es macht, eine auf das Leben des Verstorbenen abgestimmte Bestattung zu organisieren – im Vergleich zu einer ‚Einheits‘-Bestattung?“

Ich kann mir gut vorstellen, wie viel es Angehörigen bedeutet, wenn der geliebte Mensch mit seinen Eigenheiten, kleinen Macken und liebenswerten Seltsamkeiten selbst auf dem letzten Weg mit so viel Feingefühl behandelt wird. „Papa hat gerne viel Zeit mit seinen Enkeln verbracht“, meint der Sohn auf die Nachfrage meiner Kollegin hin. Eine junge Frau wirft ein: „Wir waren mit Opa ganz häufig im Wald spazieren und haben aus Kiefernzapfen kleine Männchen gebastelt. Und er hat uns beigebracht, wie man Drachen steigen lässt.“ „Das alles können wir berücksichtigen“, lächelt meine Kollegin freundlich. Ich bin hin und weg.

Auch der enorme Kenntnisstand der Kollegin beeindruckt mich zutiefst. Sie weiß genau, was wie viel kostet, auf welchem Friedhof welche Plätze frei sind, welche sonstigen Optionen an dem einen oder anderen Friedhof zur Verfügung stehen – das kommt sicher mit der Erfahrung.

Nachdem die Familie ihre Wünsche geäußert hat, kommt die Frage nach dem finanziellen Aspekt: Wie viel kostet das Ganze?

In der Regel kostet eine Bestattung um die 6.000 Euro. Es geht natürlich auch günstiger. Aber das sei für viele überhaupt kein Thema, merkt die Bestattungsfachfrau an, mit der ich unterwegs bin. Die meisten Hinterbliebenen wünschen sich eine gut geplante Bestattung mit allem, was dazugehört: Trauerredner, Organist und so weiter – eben keine Billigware. „Diese Einstellung, eine schöne letzte Erinnerung zu schaffen und des geliebten Menschen würdig zu gedenken, statt Geld sparen zu wollen, sehe ich am häufigsten. Die Menschen sagen dann eher ‚Wir möchten doch noch einen Redner haben‘, als dass sie Abstriche machen.“

Dennoch: Kein Fall ist wie der andere: Jeder hat andere Vorstellungen vom „letzten Tag“, sei es der Verstorbene selbst oder die Angehörigen. 

Auch wir verwenden Cookies, um Ihnen die Benutzung der Website zu erleichtern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen zu unseren Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung   Datenschutz/Cookies   Impressum