Hospiz - Formen der Palliativpflege

16.07.2021 / Vorsorge, Trauer

Ein Hospiz bietet unheilbar erkrankten Menschen eine professionelle Palliativversorgung und Sterbebegleitung. Hospize stellen eine enorme Entlastung für Angehörige dar, wenn die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist.

Die letzten Momente vor dem Tod sind nicht planbar und doch gibt es leider viel zu oft Diagnosen, die das Lebensende in kürzester Zeit voraussagen. Oftmals sind es nur noch Monate oder gar Wochen, die unheilbar Kranken verbleiben. 

Was leistet ein Hospiz?

Hospize sind dafür verantwortlich, die Lebensqualität der Sterbenden in dieser letzten Lebenszeit professionell, pflegerisch und auch fürsorglich zu erhalten. Nicht immer muss der Aufenthalt komplett stationär erfolgen - so gibt es die Möglichkeit, ambulante Hospizdienste in Anspruch zu nehmen, die bis zu dreimal täglich nach Hause kommen. Hier liegen die Prioritäten jedoch stärker auf dem pflegerischen und gesundheitlichen Aspekt. Bei besonders akuten Krankheitsfällen können Patienten auch innerhalb eines Krankenhauses auf die Palliativstation verlegt werden. Diese sind in der Regel wohnlicher gestaltet als die anderen Bettenstationen. Mit speziell ausgebildetem Personal (es wird eine Zusatzqualifikationen in der Palliativ Care benötigt) und einem höheren Personalschlüssel können die speziellen Bedürfnisse der Patienten besser abgebildet werden.

Wer kann in einem Hospiz aufgenommen werden?

Grundsätzlich hat jeder in Deutschland Lebende das Recht auf die Aufnahme in einem Hospiz. Diese erfolgt dann, wenn ein palliativmedizinischer Bedarf vorliegt, das heißt wenn die vorliegende unheilbare Krankheit zu Hause nicht ausreichend betreut werden kann oder anderweitige stationäre Unterbringungen nicht dem weiteren Krankheitsverlauf entsprechen. Für die Aufnahme in einem Hospiz braucht man einen offiziellen ärztlichen Antrag, der dies bestätigt.

Welche Form der Palliativversorgung ist die Richtige?

Wann ist nun ein stationäres Hospiz, eine Palliativstation im Krankenhaus oder eine ambulante Palliativversorgung die richtige Wahl? Hospize sind darauf ausgerichtet, den Patienten mit all seinen Bedürfnissen und letzten Wünschen in den Fokus zu rücken. Die ambulante Palliativversorgung ist eine Unterstützung für Angehörige und beinhaltet die medizinische und pflegerische Versorgung in gewohnter häuslicher Umgebung. So können Patienten und Angehörige im vertrauten, familiären Rahmen die verbleibende Zeit gemeinsam gestalten. Palliativstationen in Krankenhäusern bieten gezielte Schmerztherapien und engmaschige Symptomkontrollen. Dieses Angebot richtet sich an Patienten, die akut ärztliche Beratung und Betreuung in Anspruch nehmen müssen.

Wie sieht ein Tag im Hospiz aus?

Ein Tag in einem stationären Hospiz kann vielfältig sein, denn hinter jedem Patienten stehen individuelle Bedürfnisse. Dabei spielt die Zeit im Alltag zwischen Patienten und Mitarbeitern eine große Rolle - ob für eine Rasur, eine Massage oder ein tiefgründiges Gespräch. Es geht um Empathie und Ablenkung und darum, die letzten Momente so angenehmen wie möglich zu gestalten. Die Wünsche der Patienten möglichst zu erfüllen ist fester Bestandteil der Sterbebegleitung. Oftmals gibt es bereits bei der Aufnahme der Patienten ein Gespräch, in dem diese Wünsche festgehalten werden. Ganz egal, ob es ein Abendessen in einem schönen Restaurant ist oder ein letzter Besuch der Enkel ist. Liebevolle Zuwendung und das Vermitteln von Geborgenheit zählen in jeder Minute. Auch Ängste und Nöte finden ausreichend Platz und werden über die Zeit des Aufenthalts betreut. Dieses Angebot richtet sich in dieser schweren Zeit auch an die Angehörigen. Die Zimmer sind wie kleine Wohnungen eingerichtet. Ein eigenes Badezimmer, ein Fernseher und Sitzmöglichkeiten für den Besuch. In einigen wenigen Hospizen ist es sogar möglich, den Hospizaufenthalt gemeinsam mit dem Ehepartner wahrzunehmen. Jedem Hospizbewohner steht es frei, die Angebote und Hilfestellungen anzunehmen.

Arbeiten im Hospiz

Wer sich für die Arbeit mit sterbenden Menschen entscheidet, entscheidet dies ganz bewusst. Mittlerweile gibt es fast in jeder Einrichtung ehrenamtliche Mitarbeiter, die vielfältige wöchentliche Angebote für die Bewohner anbieten. Musiktherapien, Tiertherapien, Massagen, Kochkurse, aber auch medizinische Betreuung, wie das Einnehmen von Tabletten oder die Vergabe von Infusionen zählen zur Hospizarbeit. Ein besonders wichtiger Part ist die körperliche Pflege der Betroffenen. Krankheitsbedingt ist es ihnen oft nicht mehr möglich, sich eigenständig zu pflegen. Pflegekräfte mit einer zusätzlichen Palliativ-Care-Ausbildung machen den größten Anteil des Personals aus. Dazu kommen die qualifizierten ehrenamtlichen Mitarbeiter. Ärzte gibt es in Hospizen meistens keine, jedoch ist jede Einrichtung eng mit dem behandelnden Hausarzt sowie Schmerz- und Physiotherapeuten vernetzt. Auch Seelsorger spielen im Team eine große Rolle. Sie betreuen nicht nur die Patienten, sondern oftmals auch die Angehörigen.

Kosten eines Hospiz-Aufenthalts

Der Aufenthalt in einem Hospiz ist für die Patienten und ihre Angehörigen nicht kostenpflichtig. Hierzu benötigt es jedoch einen offiziellen Antrag, ein ärztliches Gutachten und den Bewilligungsbescheid der Krankenkasse. Der Großteil der Kosten für einen Aufenthalt im Hospiz werden von der gesetzlichen Krankenkasse oder Pflegeversicherung getragen, einen geringen Anteil übernimmt auch das Hospiz selbst.

Palliativversorgung in Deutschland

Schon seit geraumer Zeit ist die Palliativmedizin ein Schlagwort, welches immer häufiger in den Medien auftaucht. Während sich spezielle Hospizvereine und Hospizbewegungen schon lange zum Ziel gesetzt haben, die Palliativversorgung zu verbessern und deutschlandweit auszubauen, liegt es vor allem an der Politik hier noch mehr zu ermöglichen. Der Pflegekraftmangel und die allgemeine Belegungssituation sind auch in der palliativmedizinischen Versorgung keine Fremdwörter. Oft sind es ländliche Regionen, in denen Betroffene und Angehörige mit fehlender Palliativpflege zu kämpfen haben. Ambulante Pflegeteams, die Patienten zu Hause betreuen, sind auf dem Land rar gesät. Pflegeteams können ohne Zusatzausbildung in der Palliativpflege die speziellen Behandlungen nicht zuverlässig anwenden. Ohne so manches ehrenamtliches Engagement wäre die Palliativpflege wohl noch schlechter aufgestellt. Es gibt also noch viel Optimierungsbedarf in der Palliativversorgung.