Tabuthema Tod - Warum wir über ihn sprechen sollten

16.11.2020 / Vorsorge, Trauer

Wie kann man lernen mit dem Tod umzugehen? Wie fühlt sich das Sterben an und was passiert danach? Das sind Themen, die wir selten bei einem gemeinsamen Abend mit Freunden besprechen. Aber warum eigentlich nicht?

Schon immer verbinden wir Menschen den Tod mit dem Ende und sehen ihn als Gegenteil des Lebens. Dabei ist der Tod ist die einzige Gewissheit, die der Mensch mit dem Tag der Geburt bekommt. Alles andere ist das Leben, eine große Ungewissheit, die es zu gestalten gilt. Und doch erscheint uns unser Lebensende sehr abstrakt, häufig fürchten wir uns vor ihm oder verdrängen es.

Warum ist der Tod in unserer Gesellschaft ein Tabuthema?

Denken wir an Beerdigungen und Trauerfeiern, löst das traurige und negative Gefühle in uns aus. Wir assoziieren Trauer, Hilflosigkeit und Endgültigkeit mit dem Tod. Er zeigt uns immer wieder die Endlichkeit unseres Lebens. Während wir vieles in unserem Leben beeinflussen können, sind wir dem Tod machtlos ausgeliefert. Wann und wie er kommt, werden wir erst herausfinden, wenn er da ist. Diese Ungewissheit über unseren letzten Weg ruft bei vielen Unbehagen hervor.

Oftmals prägen persönlichen Erfahrungen unseren Umgang mit dem Tod. Wer in früher Kindheit schon einen Verlust erleiden musste oder einen Krieg miterleben musste, vermeidet häufig eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Sterben und hat gelernt dies auszublenden und zu verdrängen. Zu schmerzhaft ist die Vorstellung, einen geliebten Menschen zu verlieren. So wird das Thema innerhalb dieser Familien umso stiller behandelt. 

Wie sprechen wir heute über den Tod?

Stirbt ein geliebter Mensch, sind wir oftmals hilflos. Angehörige finden nicht die richtigen Worte und Trauernde wissen nicht, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollen. Trauer findet in unserer heutigen turbulenten und dynamischen Welt wenig Zeit und Platz. So beginnt häufig die Verdrängung. Auch Eltern stoßen an ihre Grenzen, wenn ihre Kinder mehr über das Sterben oder den Tod wissen möchten. Wie erkläre ich meinem Kind, das noch so jung ist, dass das Leben einmal enden wird und wie kann es damit umgehen? 

Auch wenn ein Angehöriger unheilbar erkrankt, sind wir unvorbereitet und häufig wie gelähmt. Wir verstehen die komplizierte Fachsprache der Ärzte kaum und selten gibt sie uns Aufschluss über die emotionalen Fragen, die uns auf der Seele brennen. Es fällt schwer mit solch einem Schicksal umzugehen. Der plötzliche Verlust trifft uns hart. Warum gerade er oder sie? 

Wie können wir in Zukunft lernen mit dem Tod umzugehen?

Was kann man vom Tod fürs Leben lernen? Statt ihn als Gegenteil des Lebens zu sehen, sollten wir beginnen, ihn als festen Bestandteil unseres Lebens zu sehen. Sich mit dem Lebensende auseinanderzusetzen, bewältigt Hürden. Angst ist gerade in Bezug auf den Tod eine häufige Begleiterscheinung. Denken wir über unser eigenes Ableben nach, macht es uns traurig; wir denken daran, geliebte Menschen zurückzulassen. Doch wie so oft gilt: Reden hilft. Der Gedanke, dem eigenen Tod ins Auge blicken zu können, nimmt die Angst. 

Auch Kinder profitieren von einem offenen Umgang. Ein Gespräch mit einem begleitendem Buch kann sehr hilfreich sein. Das Thema nicht als Tabu zu behandeln, ermöglicht gerade angesichts bevorstehender Bestattungen von geliebten Familienangehörigen mehr Verständnis und eine bessere Verarbeitung des Verlusts. 

Das Thema Tod gesellschaftsfähig machen

Den Tod zurück ins Leben holen, ihn als Gesprächsthema gesellschaftsfähig machen - das sollte die Mission sein. Denn ein offener und zeitgemäßer Umgang mit dem Sterben hilft. Wir alle sind von dem Thema betroffen, kein Mensch ist ausgenommen. Umso mehr wir uns noch zu Lebzeiten damit beschäftigen, desto weniger überfordert reagieren wir, wenn unser letzter Weg oder der eines Angehörigen bevorsteht. Hilfreich kann es auch sein, ein Gespräch mit Menschen zu suchen, die täglich mit dem Tod konfrontiert werden, wie z.B. ein Bestatter oder Hospizmitarbeiter. Wie sehen sie das Lebensende und wie haben sie gelernt, mit ihm umzugehen? Gespräche lösen Ängste, Vorurteile und Missverständnisse.