Thanatologe – Kein gewöhnlicher Job

17.01.2020 / Bestattungen & Friedhof

Ein wenig Make-Up und noch etwas Rouge für die Wangen des Verstorbenen - Schminken ist wohl die bekannteste, wenn auch nur eine von vielen Aufgaben im Berufsbild des Thanatologen.

Thanatologie

Thanatologie, die Wissenschaft über den Tod und das Sterben ist ein spannender Bereich, den kaum jemand kennt. Anatomie, Chemie, Gerätekunde und Kosmetik zählen zu den täglichen Disziplinen in der Thanatologie. Die Arbeit mit einem Verstorbenen erfordert Fachwissen und Feingefühl, für welches man nur an wenigen Standorten in Deutschland ausgebildet werden kann.

Doch wozu braucht man eigentlich einen Thanatologen? Menschen hinter dieser Berufsbezeichnung arbeiten oftmals bei einem Bestatter. Dort sind sie verantwortlich für einen hygienischen und würdevollen Abschied am offenen Sarg, welcher erst möglich werden kann, wenn der Leichnam thanatologisch behandelt wurde. Eine ehrenvolle Aufgabe, bei der vertrauensvolle und professionelle Arbeit unabdingbar ist.

Was passiert in der praktischen Thanatologie?

Damit der Körper nicht dehydriert wird häufig zunächst eine Kaloncreme einmassiert. Das Lösen der Totenstarre ermöglicht das spätere Anziehen des Leichnams. Die Einbalsamierung bezeichnet den Austausch der Körperflüssigkeit mit speziellen Mitteln. Hier sind die Kenntnisse tiefgründiger chemischer Zusammenhänge, die in der zweijährigen Ausbildung angeeignet werden, von besonderer Bedeutung. Durch die Einbalsamierung wird der Körper konserviert. Ein chemischer Stoff verleiht der Haut eine normale Farbe, so dass der Leichnam auch zu einem späteren Zeitpunkt aufgebahrt werden kann. Eine Einbalsamierung kann bis zu sechs Stunden dauern und fordert höchste Konzentration. Neben chemischen Prozessen zählen auch kosmetische und hygienische Behandlungen zur Versorgung. Das Waschen des Körpers, eine Rasur, ein natürliches Make-Up und das Schneiden der Nägel sind ebenso wichtig für ein würdevolles Bild.

Ein weiterer wichtiger Zweig der Thanatopraxie sind restaurative oder rekonstruktive Maßnahmen, etwa nach tödlichen Unfällen mit schwerwiegenden Verletzungen. Die Aufbahrung vor der Bestattung stellt oftmals einen wichtigen Aspekt im Rahmen der Trauerarbeit dar. So wird beispielsweise Eltern, die sich von ihrem Kind verabschieden müssen, auf diese Weise ein letztes, natürliches Bild des verstorbenes Kindes ermöglicht. In einzelnen sehr schweren Fällen ist es in der Thanatologie sogar möglich, Körperteile komplett zu rekonstruieren.  

Woher kommt die Thanatologie?

Die Versorgung von Verstorbenen hat in der Kultur der Menschheit eine lange Tradition. Schon die alten Ägypten beherrschten eine Form der Einbalsamierung, die über Jahrzehnte hielt. Die heutige Form stammt größtenteils aus der Kriegsgeschichte. Verletzte Soldaten konnten so aus den Kriegsgebieten überführt und in die Hände ihrer Angehörigen übergeben werden.

Warum aufbahren?

Mit dem Abschied am offenen Grab beginnt für viele Angehörige erst die Auseinandersetzung mit dem Tod des geliebten Menschen. Gerade in Deutschland zählt das Thema Tod noch immer zu den Tabuthemen und wird oftmals auch im Verwandten- oder Freundeskreis nicht weiter besprochen. Der Abschied ist daher umso wichtiger, um ein letztes schönes Bild im Kopfe der Hinterbliebenden zu hinterlassen.

 

 

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