Trauer bewältigen - Wenn der Partner stirbt

17.08.2021 / Trauer

Wenn der Partner stirbt, ist das ein Schicksalsschlag, der ganz besonders schwere Spuren hinterlässt. Wie kann man lernen mit der Trauer umzugehen und wie können Hinterbliebene zurück ins Leben finden?

Trauer ist eines der stärksten Gefühle, das wir Menschen empfinden können. Es gibt keine Formel, wie und wie lange jemand trauert und oftmals lernt man nur mit der Trauer umzugehen. Die erste Zeit nach dem Tod des geliebten Menschen ist dabei oft die härteste. Die Hinterbliebenen quälen Fragen wie: 

Was hätte ich noch tun oder sagen können?
Wie soll ich so weiterleben?
Kann ich jemals wieder glücklich werden?

Kälte, Ohnmacht und eine tiefe Leere durchziehen den Alltag. Begleitet durch Wut über den Verlust und Zweifel am eigenen Leben, geht es den Hinterbliebenen oft sehr schlecht. Das emotionale Chaos lässt Trauernde ihren Alltag kaum weiter gestalten. Und während die eigenen Gefühle wie eine Welle das Leben überfluten, kann die Außenwelt oft nur in Teilen nachvollziehen, welche Auswirkungen der Verlust darstellt. Überforderung als Angehöriger ist dabei völlig normal.

Wie können Hinterbliebene gesund trauern?

Zu einer gesunden Trauerbewältigung zählt es alle Emotionen anzunehmen und ihnen Raum zu geben. Ganz egal, ob es allein sein, weinen, schreien oder andere körperliche Reaktionen sind. Was der Geist nun braucht, ist sich zu entladen. Trauer wird häufig als schwere Emotion beschrieben, die auf den Schultern der Betroffenen lastet. Es fehlt der Halt und oft die Kraft. Einfach nur zu funktionieren ist sicher für einen begrenzten Zeitraum eine annehmbare Strategie, doch bietet sie keine sanfte Verarbeitung des Todesfalls.
Raum für Gefühle zu ermöglichen bedeutet vielmehr, die eigene Gefühlswelt zu akzeptieren.
„Es ist okay, dass ich traurig bin.“
„Es ist okay, dass ich mich leer oder wütend fühle.“

Stirbt der Partner, bricht ein über Jahre erprobter Alltag weg. Vom morgendlichen Aufstehen und gemeinsamem Frühstück bis zu den freien Wochenenden, Urlauben und Familienfeiern. Die Endgültigkeit des Todes zu hinterfragen oder nach dem Sinn zu suchen macht auf Dauer krank. Daher ist es besonders wichtig die Trauer aktiv zu bewältigen. Neben dem Faktor Zeit braucht es auch eine große Portion Motivation und einen Hauch Kämpfergeist.

Trauerbewältigung mit Ritualen und Gesprächen

Gerade dann, wenn die Trauer noch frisch ist, hilft es, bestimmte Rituale als Ankerpunkte einzuführen. Feste Zeiten und Orte, an denen die Trauer in vollen Zügen ausgelebt werden kann. Hier berichten Trauernde von einer befreienden Wirkung. Sogenannte Trauerrituale oder Trauerzeremonien können auf eigene Weise gestaltet und zelebriert werden. Beispiele hierfür sind Klangschalenzeremonien oder Spaziergänge in einer vertrauten Gegend.
Gespräche und die Anwesenheit von vertrauten Personen werden während des Trauerprozesses ebenso als heilsam beschrieben. Oft eignen sich jedoch auch neutrale und professionelle Gesprächspartner. Aber auch der Austausch unter Gleichgesinnten, z.B. in Trauergruppen, kann helfen und neue Perspektiven eröffnen. Wie gehen andere Hinterbliebene mit dem Schmerz um? Gibt es für mich weitere Möglichkeiten, den Tod des geliebten Menschen besser zu verarbeiten?

Wie kann ich wieder zurück ins Leben finden?

In der Trauerbewältigung spricht man von verschiedenen Phasen der Trauer, wobei die letzte Akzeptanz ist. Hier geht es darum, Frieden mit der Situation zu finden und sich selbst vor schwerwiegenden Depressionen zu schützen. Das eigene Leben wieder neu zu strukturieren und zu organisieren steht dabei ganz oben. Um zu akzeptieren, hilft es zu verstehen. Was ist passiert, warum ist es passiert? Vielen Hinterbliebenen hilft es, Bücher über den Tod oder die Krankheit, an der der geliebte Partner verstorben ist zu lesen. Viel zu selten setzen wir uns mit dem Thema Tod auseinander. Kommt es dann zu einem Verlust, trifft es uns besonders hart. Sich mit dem Tod zu beschäftigen, wirkt sich auch positiv auf den eigenen Umgang mit dem Tod aus. Informiert zu sein kann mögliche Ängste nehmen.

Um die Hürde der Akzeptanz zu beschreiten, braucht es Lichtblicke, die das eigene Leben wieder reizvoll machen. Ist ein Tag überstanden, darf ich mich daran erfreuen und stolz sein. Habe ich ein heilsames Gespräch geführt, bin ich dankbar für die Hilfe, die mein Umfeld für mich bereithält. Und so sind es erst die kleinen Dinge, die Hoffnung bringen. Und auch wenn der neue Alltag nun mehr Energie kostet, ist es wichtig, immer ein Auge auf die eigene Batterie zu haben. Ein Besuch im Restaurant, ein Tag in einem Wellnessbereich, Urlaub oder auch die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches schütten Glückshormone aus. So heißt die Devise: gut zu sich selbst sein und Freude und Spaß zulassen. Kein Partner wünscht sich für seine Hinterbliebenen ewige Trauer oder Unglück.

Den Wert des eigenen Lebens erkennen

Mit dem Tod realisieren Betroffene häufig, wie schnell das Leben vorbei sein kann und somit, wie hoch der Wert der eigenen Existenz ist. Um diesen Wert auch in schwereren Zeiten nicht zu vergessen, sind Zielsetzungen ein wichtiger Schritt in Richtung neuer Normalität. Was möchte ich noch erreichen oder erleben? Es kann helfen, diese Zielen aufzuschreiben, um sie immer vor Augen zu haben. Auch wenn es kein Trost ist, aber Schicksalsschläge machen stark und verändern für die Ewigkeit. In einigen Fällen empfinden Menschen, die eine derartige Krise bewältigen mussten, einen positiven Effekt, wenn sie anderen Menschen in einer ähnlichen Krise zur Seite stehen können. So kann man Freunde und Familie an den eigenen Trauerbewältigungsstrategien teilhaben lassen.

Und wie sieht die Zukunft aus? Darf ich mich neu verlieben?

Es erscheint Hinterbliebenen zunächst abwegig und gleichzeitig ist es sicher der Wunsch vieler Verstorbener, dass ihre Hinterbliebenen auch nach ihrem Ableben den Mut finden, eine neue Beziehung einzugehen. Für die Liebe gibt es keinen zeitlichen Rahmen und so kann es dazu kommen, dass die Liebe für den verstorbenen Partner gleich stark bleibt und man eine ähnlich starke Liebe für einen neuen Partner empfinden kann. Die Vorstellung, wieder geliebt zu werden, ohne die Erinnerungen an den Verstorbenen zu verlieren oder die Liebe aufzugeben, kann eine absolute Bereicherung sein und das Leben wieder lebenswert empfinden lassen.