Abschied nehmen in Zeiten sozialer Distanz

18.12.2020 / Bestattungen & Friedhof, Trauer

Von einem geliebten Menschen Abschied nehmen fällt niemals leicht. In Zeiten von Social Distancing ist es besonders schwer, einen würdevollen Abschied zu planen und zu erleben. Viele Trauernde haben neue Wege gefunden. 

Da die üblichen Abschiedsrituale, wie größere Beisetzungen und gemeinsame Essen abgesagt werden müssen, sind in Zeiten der Pandemie einige neue Konzepte des Abschiednehmens entstanden. Der Trauer und den Gefühlen Raum zu geben ist ein wichtiger Aspekt im Trauerprozess. Den Verlust zu verarbeiten, zu realisieren, was passiert ist und diese Gefühle mit anderen zu teilen, ist für viele eine große Hilfe. Und auch, wenn wir alle auf ganz unterschiedliche Art mit dem Tod eines geliebten Menschen umgehen, gilt die Trauerzeremonie für die meisten als gesetztes Ritual, um von dem Verstorbenen Abschied zu nehmen.

Live-Übertragung von Bestattungen

Eine Bestattung via Video? Dass es so etwas mal geben würde hätte vermutlich keiner gedacht. Doch wie sonst können Angehörige den wichtigen letzten Abschied miterleben, wenn die zulässige Teilnehmerzahl stark limitiert ist. Ein Verlust stellt Freunde und Verwandte auf eine harte emotionale Probe. Um den Tod eines geliebten Menschen akzeptieren zu können, ist das Abschiednehmen ein wichtiger Schritt. Und auch wenn eine Video-Übertragung die Teilnahme an einer Bestattung vor Ort nicht ersetzen kann, gibt sie dennoch zahlreichen Angehörigen die Möglichkeit dabei zu sein und auf diese Weise Abschied zu nehmen und bei den Angehörigen vor Ort beizustehen. 

Trauerfeier online

Auch das gemeinsame Essen nach der Beisetzung ist für viele Angehörige von großer Bedeutung. Nicht selten wird der Anlass genutzt, um schöne Erinnerungen auszutauschen, sich alte Geschichten zu erzählen und neben all den Tränen das erste mal wieder lachen zu können - dies war und ist in Zeiten der Pandemie nicht möglich. Auch hier haben sich Trauernde alternative Konzepte überlegt und online Trauerfeiern gestaltet. Ein gemeinsamer Abschied, z.B. via Zoom, bietet Platz um mit den Gefühlen nicht alleine zu bleiben. Mit einem videofähigen Endgerät können sich die Hinterbliebenen zu einer Online-Trauerfeier einwählen. Diese kann natürlich von Angehörigen vorbereitet werden. Wer mag, kann eine Rede über den Verstorbenen halten oder eine Bildershow teilen und auch virtuell "das Glas erheben" auf den Verstorbenen - dies sind schöne Momente, um dem Verstorbenen zu gedenken. Auch ein professioneller Trauerredner könnte sich zu einer virtuellen Feier einwählen und diese moderieren. So fällt der Planungsaufwand nicht komplett in die Hände der trauernden Hinterbliebenen. 

Abschiedsrituale für Kinder

Kinder sollten ebenfalls die Möglichkeit erhalten, Abschied zu nehmen, sollten sie bei der Beisetzung nicht dabei sein können. Inwiefern es angemessen ist, das Kind an einer Online-Zeremonie teilhaben zu lassen, können nur die Eltern selbst entscheiden. Doch auch ohne Trauerfeier gibt es eine Reihe von schönen Ritualen, die Eltern mit ihren Kindern im privaten Rahmen verwirklichen können. So ist es z.B. eine schön Idee, gemeinsam Luftballons mit selbstgeschriebenen Himmelswünschen steigen zu lassen, ein Bild von der liebsten Erinnerung mit dem Verstorbenen zu malen oder diese als Geschichte aufzuschreiben. Gemeinsam einen speziellen Ort im Haus mit Blumen und Erinnerungen zu dekorieren, schafft einen eigenen Trauerort für die Kinder. Hier lesen Sie mehr darüber, wie man Kindern gegenüber mit dem Thema Tod umgehen kann.

Trauercafé online

Nicht nur Beisetzungen müssen in Zeiten sozialer Distanz überdacht werden, auch für die wichtige Zeit danach gilt es neue Konzepte zu finden. Dass regelmäßige Vorbeischauen von Freunden und Bekannten zur Ablenkung? Schwierig. Und auch Gruppen zur gemeinsamen Trauerbewältigung können sich in diesen Zeiten nicht persönlich treffen. Das Konzept von Trauercafés gibt es schon lange: Eine Gruppe Trauernder, die ihr Leid teilt und sich den Schmerz von der Seele spricht, war und ist ein bewährtes Instrument der Trauerbewältigung. Trauer findet häufig nicht den angemessen Platz in der Gesellschaft, zu schnell wird erwartet, dass Trauernde wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Doch gerade die erste Phase der Trauer kann durchaus lange andauern. Daher ist es umso wichtiger auch diese Gruppen weiterhin online stattfinden zu lassen. Trauerforen, Facebook-Gruppen oder auch gemeinsame Online-Telefonate bieten dafür eine gute Alternative. 

Wie geht es weiter?

Wir alle hoffen, dass zukünftig Trauerfeiern wieder in angemessenem und würdevollen Rahmen gemeinsam vor Ort abgehalten werden können. Doch vielleicht kann das ein oder andere alternative Konzept auch für die Zukunft Bestand haben. Gerade für diejenigen, die nicht an einer Bestattung vor Ort teilnehmen können, z.B. da sie im Ausland leben oder körperliche Beschwerden haben, könnten auch in Zukunft Online-Konzepte von Bedeutung sein. Denn der Wunsch Abschied nehmen zu können ist meist groß.