Sollte ich mein Kind mit zur Beerdigung nehmen?

20.10.2021 / Trauer, Bestattungen & Friedhof

Wenn ein geliebtes Familienmitglied stirbt, sind dies für die gesamte Familie sehr traurige Umstände. Vor einer Bestattung stehen Eltern häufig vor der Frage, ob ihr Kind sie zur Trauerfeier begleiten sollte.

Als Vater oder Mutter möchte man sein Kind vor möglichen einschneidenden negativen Erlebnissen schützen. Der Tod ist ein Thema, welches man seinem Kind nur ungern zumuten möchten, zu traurig ist die Vorstellung, dass eine geliebte Person nicht zurückkommt. Gerade Kinder ab einem Alter von drei Jahren verstehen jedoch oft mehr als Eltern es vermuten. Auch wenn sie nicht direkt über Erlebtes sprechen, verarbeiten sie es bereits aktiv. Eine Bestattung ist ein wichtiger Teil für die Realisierung des Todesfalls und für den Umgang mit der Trauer. Dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch Kindern kann es helfen, an einer Bestattungszeremonie teilzunehmen. Bindet man sie mit ein, kann es sogar eine absolute Bereicherung sein.

Sollte ich mein Kind mit zur Bestattung nehmen?

Bei der Frage, ob das eigene Kind Teil einer Bestattung sein sollte, gibt es grundsätzlich kein richtig oder falsch, denn jedes Kind ist anders und die Eltern selbst können am besten beurteilen, was dem Kind zuzumuten ist. Hier kommt es eher auf das Alter, die damit verbundenen Fähigkeiten und die Bereitschaft der Eltern, zu erklären, an. Bei Kindern bis zwei Jahren ist es deutlich schwieriger, sie in das Geschehen mit einzubinden und den Trauerfall ausgiebig zu erklären. Auch besitzen Kinder in dem Alter meist noch keine ausreichenden Sprachkompetenzen, um ihre eigenen Gefühle verbalisieren zu können. Stirbt beispielsweise die Oma, haben Eltern alle Hände voll zu tun und selbst häufig stark mit dem Verlust zu kämpfen. Um die Eltern in dieser Ausnahmesituation zu entlasten, können kleinere Kinder vorübergehend auch in der Obhut einer vertrauten Person bleiben.

Kinder ab einem Alter von drei Jahren besitzen oft ausreichend Sprachkompetenzen, um über Bedürfnisse und Emotionen zu sprechen. Für sie ist eine sanfte Begleitung und die Möglichkeit, sich selbst verabschieden zu können, wichtig. Allem voran steht natürlich die Frage, ob das Kind überhaupt an der Trauerfeier teilnehmen und in diesem Rahmen Abschied nehmen möchte. Sollte das nicht der Fall sein, ist ein Besuch am Grab in den Tagen nach der Beisetzung eine gute Möglichkeit, in Ruhe Abschied zu nehmen. Denn auf der Bestattung selbst ist es oft schwierig, auf mögliche Fragen und Bedürfnisse des Kindes einzugehen.

Wie bereitet man Kinder auf eine anstehende Trauerfeier vor?

Entschließt man sich, mit dem Kind gemeinsam an der Bestattung teilzunehmen, sind offene Gespräche vorab besonders wichtig. Hierzu zählt auch, den Tod zu erklären. Offen mit den Kinder über den Grund des Todesfalls zu sprechen hilft Kindern zu verstehen und den Tod greifbarer zu machen. In unserem Ratgeber Beitrag „Wie spreche ich mit meinem Kind über den Tod?" geben wir Ratschläge, wie Eltern ihren Nachwuchs achtsam an die Themen Tod und Trauer heranführen können. Begleitend zu den Gesprächen sind Kinderbücher eine schöne Möglichkeit, den Nachwuchs auf eine Bestattung vorzubereiten. Hier empfehlen sich folgende Bücher:

Es ist sinnvoll, die Kinder bereits vorher mit dem Ablauf einer Beerdigung vertraut zu machen. So können Eltern explizit auf einzelne Rituale einer Bestattung eingehen und diese erklären, z.B. warum der Sarg unter die Erde kommt oder was ein Trauerzug ist. Auch hierfür gibt es ein tolles Buch von Ulf Nilsson und Eva Eriksson: „Die besten Beerdigungen der Welt". Das Buch erzählt von drei Freunden, die ein Beerdigungsinstitut gründen und sich die Aufgaben eines Bestatters aufteilen.

Sollten Kinder auf einer Bestattung schwarze Kleidung tragen?

Die klassische schwarze Kleidung auf einer Beerdigung muss nicht unbedingt für Kinder gelten, auch wenn von allzu knalligen Farben eher abgesehen werden sollte. Doch auch hier gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass das Kind sich wohl fühlt. Daher macht es Sinn, das Kind selbst entscheiden zu lassen, welche Kleidung es auf der Trauerfeier tragen möchte. Vielleicht gibt es ein Kleidungsstück, was die Oma oder der Opa besonders gerne mochte?

Kinder auf der Trauerfeier einbinden

Eine schöne Möglichkeit für einen achtsamen Umgang mit der Situation ist die Kinder auf der Trauerfeier einzubinden und ihnen kleine Aufgaben zu geben. So können sie während der Beerdigung Blumen tragen, die sie später ins Grab werfen dürfen. Kinder ab einem Alter von 6 Jahren können bereits bei der Planung einer Bestattung eingebunden werden, z.B. in dem sie ein Musikstück aussuchen oder helfen, das Essen für die Trauerfeier zusammen zu stellen. 

Was kommt nach der Beerdigung? 

Ebenso wichtig wie die Vorbereitung auf einer Trauerfeier sind viele kleine Nachbesprechungen, um das Erlebte zu verarbeiten. Ist die Trauerfeier vorüber, kann das Geschehene in Form von Gesprächen, aber auch Aktivitäten verarbeitet werden. So kann man erneut gemeinsam das Grab besuchen oder das Erlebte kreativ in einem Bild verarbeiten. Fragen wie „Welche Gefühle hat die Beerdigung bei dir ausgelöst?“ oder „Hast du noch Fragen?“ oder "Hat dir etwas Angst gemacht?" kann man bereits gut mit Kindern ab einem Alter von drei bis vier Jahren besprechen. Ein offenes Ohr und die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen sind dabei das A und O. Kinder trauern anders, manchmal sprechen sie auch im Kindergarten oder in der Schule über das Erlebte. Um hier eingebunden zu werden, ist es ratsam, in den jeweiligen Einrichtungen über den Todesfall zu informieren und die Pädagogen zu bitten, besonders aufmerksam zu sein.