Sternenkinder und trauernde Eltern

22.06.2020 / Trauer

Täglich werden Kinder tot geboren oder versterben kurz nach der Geburt. Sie werden Sternenkinder genannt, weil sie den Himmel erreichen, noch bevor sie das Licht der Erde erblicken durften. Ein schrecklicher Verlust, der viel Trauerarbeit erfordert.

Neun Monate, die eine ganz besondere Zeit im Leben werdender Eltern darstellen. Beginnend mit den bekannten zwei Strichen auf dem Schwangerschaftstest, stellt die Schwangerschaft besonders für Frauen eine magische Zeit dar. Ein Leben, das im eigenen Bauch heranwächst ist und bleibt etwas, das zukünftige Eltern ins Staunen versetzt. Doch so magisch dieser Lebensabschnitt auch ist, so schwierig kann er sich auch entwickeln. 
Schon die ersten drei Monate gelten als besonders kritische Phase. Fehlgeburten durch Abstoßung der Eizelle sind im ersten Trimester nicht selten, weswegen Eltern oftmals erst nach drei Monaten das freudige Ereignis mit Familie und Freunde teilen. Die Angst, das Kind noch im eigenen Bauch zu verlieren, steckt in jeder werdenden Mutter und begleitet sie oft bis zum Ende der Schwangerschaft. 

Große Aufregung vor Ultraschalluntersuchungen ist eine normale Begleiterscheinung, schließlich geben die Untersuchungen den Eltern die Sicherheit, dass das Baby gesund ist. Doch was passiert, wenn das Baby plötzlich nicht mehr aktiv ist? Die Diagnose des Herzstillstandes bei fortgeschrittener Schwangerschaft ist mitunter die größte psychische Belastungen die werdende Eltern durchleiden müssen. Erklärungen gibt es häufig keine. 

Sternenkinder versterben im Mutterleib oder kurz nach der Geburt

Die Bezeichung "Sternenkind" ist poetischer Natur. Ihr liegt die Idee zugrunde, dass die Kinder den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht des Lebens erblicken durften. Anders als Bezeichnungen wie die Tot- oder Fehlgeburt, fand der personalisierte Begriff Sternenkind gerade in Selbsthilfegruppen schnell eine große Zustimmung. Die Bindung zwischen Mutter und Kind verstärkt sich im Laufe der Schwangerschaft, z.B. durch Bewegungen des Kindes, die Namensfindung und dem Einrichten des Kinderzimmers. Trotzdem galten Sternenkinder lange Zeit nicht als registrierte Personen und wurden daher von speziellen Unternehmen entsorgt oder Pharmaunternehmen zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt.  

Erst das Ehepaar Barbara und Mario Martin, die 2007 einen Sohn und 2008 Zwillinge während oder kurz nach der Geburt verloren, erreichten mit einer von 40.000 Menschen unterzeichneten an den Bundestag gerichteten Petition, dass die Gesetzeslage der "Personenstandsverordnung" überarbeitet wurde. So können Eltern seit dem 7. Mai 2013, nach umfangreichem politischen Diskurs auf verschiedenen Ebenen, Kinder, egal welchen Gewichts und zu welchem Zeitpunkt sie verstorben sind sogar rückwirkend beim zuständigen Standesamt eintragen lassen.  

Ein Recht auf Existenz 

Mit der Änderung der Satzung besteht nun auch die Möglichkeit auf einen frist- und formlosen Antrag, der zwar nicht der regulären Geburtsurkunde gleichkommt, jedoch aber die Existenz des verstorbenen Kindes dokumentiert. Somit stehen Sternenkindern auch ein eigenes Grab und eine Beisetzung zu. Zwar gibt es überregionale Bestattungsgesetze, die sich inhaltlich unterscheiden, jedoch ist es bundesweit erlaubt, das Kind ab einem Gewicht von 500 Gramm in einem eigenen Grab beizusetzen. 

Wege der Trauerverarbeitung

Abschied und Trauer sind in solch einer schwierigen Zeit wichtige Komponenten. Der oft unendliche Schmerz des Verlustes ist für betroffene Eltern kaum zu verarbeiten. Durch die rechtliche Akzeptanz der Existenz des toten Kindes, können auch Eltern besser trauern. Gerade durch eine Beisetzung und dem einhergehenden Abschied, können Eltern ihrem Kind die letzte Ehre erweisen, was ein ebenso wichtiger Schritt für den Verarbeitungsprozess darstellt. 

Neben der klassischen Beisetzung gibt es heutzutage weitere Angebote, in denen trauernden Eltern Trost finden können. So gibt es Fotografen, die Sternenkinder nach der Geburt fotografieren, das Bild gilt als Erinnerung und findet eingerahmt vielleicht auch Zuhause einen schönen Platz. Lokale Selbsthilfegruppen bieten Raum für Gespräche unter Menschen, die ähnliches durchleiden mussten. Auch professionelle Hilfe ist nie falsch, gerade wenn Schmerz und Trauer im ersten Moment unterdrückt werden, kann es auch zu einem späteren Zeitpunkt zu schmerzlichen Gedanken kommen. Psychologen oder auch Psychotherapeuten können zur Einordnung dieser Gedanken eine hilfreiche Unterstützung leisten. 
Wenn eine Schwangerschaft zu früh endet oder ein Kind zu früh verstirbt stehen Eltern vor großen emotionalen Herausforderungen, die viel Zeit und Trauerarbeit brauchen. Hilfe in jeglicher Form ist in dieser schweren Phase des Lebens wichtig und richtig.