Warum haben wir Angst vor dem Tod?

24.03.2020 / Trauer, Vorsorge

Selten setzen wir uns mit dem Tod auseinander, häufig werden Gedanken an das Sterben verdrängt. Oftmals steckt Angst dahinter. Doch warum genau haben wir Angst vor dem Tod?

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass wir über den Tod nachdenken. Der Alltag ist oft hektisch und durchgeplant, selten lassen wir Gedanken zu einem Thema wie diesem zu. Wir stehen auf, trinken unseren Kaffee, überlegen derweil schon einmal, was wir anziehen und wie sich der Rest des Tages gestaltet. Selbst am Abend, wo es eigentlich ruhiger wird, stecken wir oftmals noch tief in den vielen Eindrücken des Tages oder lassen uns lieber vom TV berieseln. Und das ist auch völlig normal, denn im Alltag verdrängen die meisten Menschen Gedanken rund um den Tod, unter anderem auch, weil es die Freude am Leben beeinträchtigen würde und wir im Moment leben. Wenn doch plötzlich das Thema Tod und Sterben näher rückt, wissen wir oftmals nicht damit umzugehen.

Der Tod ist etwas Abstraktes

Der Tod und gerade die Folgen des Todes sind für uns nicht greifbar. Das Thema Sterben ist auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert noch nicht salonfähig. Angst ist eine Emotion, die oftmals aus menschlicher Unwissenheit resultiert. Als Menschen sind wir uns zwar unserer Sterblichkeit bewusst, können jedoch nicht wissen, wann, wie und wo uns der Tod begegnen wird. Zudem kommt, dass unsere ersten prägenden Berührungspunkte mit dem Tod oft negativ verlaufen. Schon in jungen Jahren mit dem Tod konfrontiert zu werden, Omas oder Opas schwere Krankheit und ihren Tod mitzuerleben oder in manchen Fällen sogar den der Eltern, hinterlässt schmerzliche Assoziationen. Doch wovor genau haben wir eigentlich wirklich Angst in Bezug auf den Tod? Befassen wir uns einmal genauer mit den häufigsten Gründen für die Angst vor dem Tod.

1. Ich habe Angst vor dem, was danach passiert

Seit jeher beschäftigt sich der Mensch mit Vorstellungen und Theorien zu einem Leben nach dem Tod. Während die einen daran glauben, als ein anderes Lebewesen wiedergeboren zu werden, prognostizieren die anderen einen ewigen Schlaf. Hier raten Psychologen an den individuellen Glauben der Folgen des Todes festzuhalten. In keinem anderen Zusammenhang haben wir so viel Spielraum für eigene Phantasien. Hierbei ist es wichtig, dass sich die Ansichten individuell unterscheiden können und somit keine Diskussionsgrundlage darstellen. Kurz gesagt: Jeder darf glauben, was er möchte und womit er sich gut fühlt. Die Ansichten eines anderen sollte daher nie bewertet, sondern schlichtweg respektiert werden.

2. Ich habe Angst vor Schmerzen

In der heutigen Zeit gibt es ausreichend Mittel um den Tod so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Gerade in Fällen von schweren Erkrankungen oder schweren Verletzungen nach einem Unfall, gibt es mittlerweile vielfältige Möglichkeiten. Die Medizin hat Schmerzen in der letzten Phase des Lebens heute gut im Griff, da auch die Palliativmedizin sehr viele Fortschritte gemacht hat.

3. Ich habe Angst, mein Leben nicht ausreichend gelebt zu haben

Erst wenn man sich seiner Sterblichkeit bewusst ist, kann man das Leben genießen. Natürlich kann man nie wissen, wann einen der Tod überrascht, welches Alter man erreichen wird und wo man gerade im Leben stehen wird. Während es die einen relativ früh trifft, gibt es auch Menschen, die über hundert Jahre alt werden. Es gilt also das Bewusstsein dahingehend zu schärfen und jedem einzelnen Tag eine ganz besondere Bedeutung zu geben.

Ob wir dem eigenen Tod nun angstvoll oder gelassen entgegenblicken, ändert sich oftmals im Laufe des Lebens und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Gibt es vielleicht gerade einen Menschen in meinem engeren Kreis, der bald sterben wird, so bringt das den Tod gleich näher. Ebenso sind lebensbedrohliche Krankheiten im Umfeld ein Faktor, der einen öfter an den Tod denken lassen. Aber auch im Alltag darf der Tod durchaus mal eine Rolle spielen. So empfehlen Psychologen sich bei scheinbar ärgerlichen oder aufwühlenden Situationen in die Perspektive einer sterbenden Person hinein zu versetzen und diese dann nochmals zu bewerten. Dies kann dazu führen, dass man schon jetzt die Prioritäten im Leben anders setzt und Dinge versucht gelassener zu sehen.

 

Am Ende des Tages ist es vollkommen natürlich ab und an Angst vor dem Tod zu haben. Wenn wir sterben, habe wir die Prozesse nicht in der Hand. Auch wenn man sie medizinisch etwas beeinflussen kann, gibt es Dinge, die wir nicht mehr steuern können und bei denen wir unserem Schicksal ausgeliefert sind. Fest steht jedoch, dass es für die Angst vor dem Tod Hilfe gibt. Wir können unsere Angst beeinflussen, abbauen oder gar überwinden, indem wir uns mit unseren Gedanken auseinandersetzen und diese akzeptieren.