Testaments-Checkliste

Berliner Testament – für wen ist es sinnvoll?

27.07.2018 / Testament, Erbrecht

Das Verfassen eines Testaments ist immer dann sinnvoll, wenn man sein Erbe anders aufteilen möchte, als es die gesetzliche Erbfolge vorsieht. Das Berliner Testament ist eine gemeinsame Verfügung, die nur von Ehepartnern und nicht von Lebenspartnern vorgenommen werden darf. Sie hat viele Vorteile, bringt aber auch Nachteile mit sich.

Inhalt des Berliner Testaments

Anders als bei einem gewöhnlichen Testament legen die Erblasser nicht einzelne Personen als Erben fest. Stattdessen setzen sich die beiden Ehepartner gegenseitig zum Alleinerben ein. Verstirbt also einer der beiden Erblasser, geht die gesamte Erbmasse auf den Partner über. Wer laut gesetzlicher Erbfolge einen Anspruch hat (z. B. Kinder oder Eltern des Erblassers), kann natürlich seinen Pflichtteil des Erbes verlangen und bei Weigerung einklagen.Geschieht das nicht, erhält der länger lebende der beiden Erblasser das gesamte Erbe.

Berücksichtigung weiterer Personen

Die Berücksichtigung weiterer Personen ist natürlich trotzdem möglich. So ist es im Berliner Testament sehr geläufig, dass die gemeinsamen Kinder des Paares als Schlusserben eingesetzt werden. Das bedeutet, dass das gesamte Erbe nach dem Tod des zweiten Erblassers auf das Kind oder die Kinder übergeht.

Verbindlichkeit

Man kann individuell festlegen, ob ein Widerruf des gemeinsamen Testaments auch schon zu Lebzeiten beider möglich sein soll. Legt man das nicht fest, ist ein einseitiger Widerruf des gemeinsamen Testaments grundsätzlich nicht möglich. Sind sich aber beide Erblasser einig, ist ein Widerruf des gemeinsamen Berliner Testaments jederzeit möglich und die sogenannte wechselseitige Verfügung kann aufgehoben werden. Der überlebende Ehegatte kann also grundsätzlich das gemeinsame Testament nicht mehr alleine ändern. Er kann aber dennoch im Falle des Todes des ersten Erblassers das (an ihn vererbte) Erbe ausschlagen. Dann geht sein Erbteil direkt an seine eigenen Erben über. Sollten durch das Berliner Testament andere Erben enterbt worden sein, können diese dann von den neuen Erben den Pflichtteil verlangen und diesen bei Weigerung einklagen.

Versteuerung der Erbmasse

Grundsätzlich ist Erbvermögen von den Erben zu versteuern. Es gibt jedoch Freibeträge; so muss der Ehepartner nur Beträge über 500.000 Euro Erbmasse versteuern, bei den Kindern sind es jeweils 400.000 Euro. Nach dem Berliner Testament erben die Kinder nur einmal, nämlich wenn der zweite Erblasser verstirbt. Dann gilt der Freibeitrag. Übersteigt die Erbmasse aber den Freibetrag, macht es steuerlich Sinn, den Kindern schon im ersten Erbfall Vermögen zukommen zu lassen und im zweiten Erbfall dann ein zweites Mal. Der Freibetrag kann einmal in zehn Jahren in Anspruch genommen werden. Somit könnte man den Kindern, soweit die beiden Elternteile mit mindestens zehn Jahren Abstand versterben, insgesamt 800.000 Euro Erbvermögen steuerfrei zukommen lassen.

Es ist also möglich durch eine geschickte Erbgestaltung möglich, dass die Erben einen niedrigeren Betrag versteuern müssen, als es der Fall gewesen wäre, wenn sie das Erbe – wie nach dem Berliner Testament – in einer einzigen Erbschaft erhalten hätten. Mehr zum Thema Erbe erfahren Sie hier.

Vorteil des Berliner Testaments

Das Berliner Testament macht vor allem deshalb Sinn, weil so Erbengemeinschaften im ersten Erbgang verhindert werden können. Wenn nur ein Ehepartner die gesamte Erbmasse erhält, gibt es keine Erbengemeinschaft und Entscheidungen können ohne Mitsprache Dritter getroffen werden. Ohne Testament, also nach der gesetzlichen Erbfolge, würde der Ehepartner nur 50% erben und der Rest würde unter den Erben ersten Grades aufgeteilt werden. Diese Situation wird mit dem Berliner Testament verhindert, da hier nur eine Person (der länger lebende Ehepartner) erbt. Deshalb ist das Berliner Testament insbesondere für Ehepaare mit gemeinsamer Immobilie sinnvoll. Hier sind jedoch wiederum die steuerlichen Freibeträge nicht außer Acht zu lassen, wenn das Vermögen mehr als 500.000 Euro beträgt.

Für eine ausführliche und individuelle rechtliche Beratung sollten Sie Kontakt mit einem Notar oder einem auf Erbrecht spezialisierten Anwalt aufnehmen. Ein kostenloses Muster für ein Testament (nicht Berliner Testament) finden Sie hier.

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