Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt was?

28.02.2017 / Testament & Erbe

Viele in Deutschland gehen davon aus, dass ihr Ehepartner im Todesfall das gesamte Vermögen erbt. Doch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sagt etwas anderes: Eine Hälfte geht an den Ehepartner, die andere Hälfte an die erbrechtlich nächsten Verwandten (Erben erster Ordnung).

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Ein Erbfall ohne Testament führt zur gesetzlichen Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, wenn der Erblasser keine anderen Regelungen getroffen hat. Wer sicherstellen möchte, dass Personen seiner Wahl, die nicht erbberechtigt sind, als Wunscherben einen Teil des Erbes erhalten, kommt um ein Testament nicht umhin. Eine Hilfe bei der Erstellung ist die anwaltlich geprüfte Testaments-Checkliste von Monuta, die allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung steht. Die Checkliste hilft dabei, Formfehler zu vermeiden, aufgrund derer das Testament nicht rechtsgültig ist und vor Gericht keinen Bestand hat. Trotz Vorsorge greift dann nämlich weiterhin die gesetzliche Erbfolge, die der Erblasser eigentlich verhindern wollte.

Ein Testament ist ohne notarielle Beglaubigung gültig. Es muss jedoch handschriftlich angefertigt sein und weitere Voraussetzungen erfüllen (Ort, Datum und Unterschrift unterhalb der letzten Textzeile, Eindeutigkeit und Widerspruchsfreiheit – mehr dazu erfahren Sie hier). Der Verfasser muss zudem bei vollständiger geistiger Gesundheit sein. Alternativ kann ein Notar das Testament für Sie aufsetzen. Auch Rechtsanwälte erstellen und prüfen Testamentstexte und geben Auskünfte zu allen testamentarischen Fragen. Oft erhalten Sie eine auf Ihre Situation abgestimmte Textvorlage, die Sie nur noch in Handschrift übertragen müssen.
Tipp: Die Beratung durch einen Anwalt ist meist wesentlich günstiger als eine notarielle Testament-Erstellung.

Mit einem Testament haben Sie die Möglichkeit, die Verwendung des Erbes an bestimmte Bedingungen zu knüpfen – dies ist natürlich ein großer Vorteil gegenüber der gesetzlichen Erbfolge. Sie können etwa festlegen, dass ein Erbe erst dann ausgezahlt wird, wenn der Erbe ein bestimmtes Lebensalter erreicht hat. Darüber hinaus können Sie Vor- und Nacherben für den Erbfall benennen und zum Beispiel bestimmen, dass das Erbe zunächst allein Ihrem Ehepartner zufällt und erst nach dessen Tod den gemeinsamen Kindern (Berliner Testament). Im Falle eines behinderten Erben, der im Heim lebt, besteht mit einer speziellen erbrechtlichen Konstruktion die Chance, den Erbteil vor staatlichem Zugriff weitgehend zu schützen (Behindertentestament).

Doch auch ein rechtsgültiges Testament gewährleistet nicht immer, dass die von Ihnen bedachten Personen die komplette Erbmasse erhalten. Denn es gibt Anspruchsberechtigte kraft Gesetzes. Dabei handelt es sich um nahe Verwandte, abgestuft in Erben erster und zweiter Ordnung.

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Erbreihenfolge: Wer erbt wann – und wie viel?

Hatte der Erblasser kein (gültiges) Testament, kommt allein die gesetzliche Erbfolge zum Tragen. Die gesetzliche Erbfolge unterscheidet dabei Erben verschiedener „Ordnungen“, die in absteigender Reihenfolge zu berücksichtigen sind. Gibt es innerhalb einer Ordnung niemanden als Erben, geht in der gesetzlichen Erbfolge das Erbe auf die nächste Ordnung über, bis schließlich Erben gefunden sind. Innerhalb jeder Ordnung besteht darüber hinaus ebenfalls eine Hierarchie, wonach die nächsten Angehörigen ihre Nachkommen von der Erbfolge ausschließen.

Grundsätzlich erhält der Ehepartner eine Hälfte des Nachlasses, sofern keine Gütertrennung besteht (Zugewinngemeinschaft). Die andere Hälfte geht an die Erben erster Ordnung. Dazu zählen alle Abkömmlinge des Erblassers, wie etwa Kinder, Enkel und Urenkel. Jedes der Kinder erhält den gleichen Anteil wie seine Geschwister. Adoptivkinder und nichteheliche Kinder sind den leiblichen Kindern gleichgestellt. Enkel erben nur, wenn die Kinder selbst nicht erben, weil diese beispielsweise das Erbe ausschlagen, enterbt wurden oder bereits vor dem Erblasser verstorben sind.
Gibt es keine Erben erster Ordnung, sind nach der gesetzlichen Erbfolge die Erben zweiter Ordnung erbberechtigt. Zu den Erben zweiter Ordnung gehören die Eltern des Erblassers sowie deren andere Abkömmlinge, sprich die Geschwister und deren Kinder, also die Neffen und Nichten des Erblassers. Leben beide Elternteile noch, erhalten Sie das gesamte Erbe.

Darüber hinaus gibt es in der gesetzlichen Erbfolge noch Erben dritter und vierter Ordnung –entfernte Verwandte, die in der Praxis jedoch eher selten zum Zuge kommen. Dazu kommt es, wenn weder eigene Abkömmlinge (Kinder, Enkel) noch lebende Eltern, Geschwister oder Neffen und Nichten vorhanden sind. Das Erbe fällt dann den Großeltern und deren Abkömmlingen zu (dritte Ordnung). Ist ein Großelternteil verstorben, treten die Nachkommen (Onkel, Tanten) und deren Abkömmlinge (Cousins, Cousinen) an dessen Stelle. Die vierte Ordnung stellen die Urgroßeltern dar, falls nicht vorhanden nacheinander Großonkel, Großtanten und weitere entfernte Verwandte.

Ist weder ein Testament vorhanden noch ein Erbe aus der gesetzlichen Erbfolge, erbt der Fiskus des Bundeslandes, in dem der Erblasser seinen Wohnsitz hatte (Staatserbrecht).

Wer ist pflichtteilsberechtigt?

Die Erben erster Ordnung, der Ehepartner und die Eltern des Erblassers sind die sogenannten Pflichtteilsberechtigten. Das bedeutet, dass Sie in jedem Fall einen Anspruch auf einen Teil des Erbes haben – selbst dann, wenn der Erblasser ein rechtsgültiges Testament hinterlassen und die Erben erster und zweiter Ordnung darin vom Erbe ausgeschlossen hat. Die Pflichtteilsberechtigten können den ihnen zustehenden Teil der Erbmasse notfalls vor Gericht einklagen.

Probleme, die aus der gesetzlichen Erbfolge resultieren können

Die gesetzliche Erbfolge ist in manchen Fällen sinnvoll und viele Menschen in Deutschland sind mit der gesetzlich geregelten Aufteilung ihres Vermögens auf ihre Erben einverstanden. Doch oftmals resultieren aus der gesetzlichen Erbfolge Erbengemeinschaften mit mehreren Erben, die sich in Bezug auf das Erbe – zum Beispiel ein gemeinsam geerbtes Haus – untereinander einigen müssen.

Ganz gleich, ob etwas verkauft oder gekauft oder Geld angelegt werden soll – in grundsätzlich allen Fragen ist Einvernehmen erforderlich. Streit liegt hier fast schon auf der Hand. Da die Einmütigkeit selten von Dauer ist, folgt in der Regel bald die „Auseinandersetzung“ – nämlich die Aufteilung des Nachlasses unter den Erben.

Zu Problemen mit der gesetzlichen Erbfolge kommt es heutzutage nicht zuletzt wegen der vielen „Patchwork-Familien“ und unverheirateten Paare. Vor allem bei solchen Konstellationen ist ein Testament sinnvoll und nahezu unumgänglich. Denn nur so kann der Erblasser sicherstellen, dass all jene Menschen aus seinem Umfeld einen Teil des Erbes erhalten, die er „bedenken“ möchte – auch wenn es sich nicht um Anspruchsberechtigte erster oder zweiter Ordnung handelt.

Unternehmer als Erblasser – und gesetzliche Erbfolge

Handelt es sich bei dem Erblasser um einen Unternehmer, führen Zwistigkeiten innerhalb einer Erbengemeinschaft, dem beispielsweise der Ehegatte und weitere Verwandte angehören, nicht selten zum Untergang des Unternehmens und zur Liquidation des Nachlasses. Davon wiederum sind mittelbar unzählige Mitarbeiterfamilien betroffen! Wenn ein Unternehmer sicherstellen möchte, dass sein „Lebenswerk“ eine Fortführung findet, sollte er sich beizeiten über die Nachfolge und entsprechende testamentarische Regelungen Gedanken machen. Aus neueren Umfragen ist jedoch bekannt, dass bei über 60 Prozent der Unternehmer umfassende und gleichermaßen aktuelle Testaments-Regelungen leider nicht vorhanden sind.

Sonderfall: Erblasser lebt im Ausland

Nicht wenige deutsche Rentner zieht es in wärmere Gefilde, nicht selten auch wegen der günstigeren Lebenshaltungskosten. Was viele nicht bedenken: Wer seine Zelte in Deutschland dauerhaft abbricht und ins Ausland zieht, für dessen Erben ergeben sich unter Umständen gravierende Änderungen. Denn häufig greift in solchen Fällen nicht mehr deutsches Erbrecht und die deutsche gesetzliche Erbfolge, sondern das Erbrecht desjenigen Landes, in dem der Erblasser zuletzt seinen ständigen Wohnsitz innehatte.

Eine neue EU-Erbrechtsverordnung, die zum 17. August 2015 in Kraft getreten ist, regelt, dass das Erbrecht desjenigen Landes zur Anwendung kommt, in welchem sich der Erblasser zuletzt gewöhnlich aufgehalten hat. Die Staatsangehörigkeit des Erblassers ist nicht mehr von Belang. Bei dauerhafter Verlegung seines Wohnsitzes sollte sich daher jeder mit dem Erbrecht und der gesetzlichen Erbfolge seines neuen Wohnsitz-Landes auseinandersetzen und ein Testament erstellen, das die gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt. Unangenehme Überraschungen lassen sich so vermeiden.

Alternativ wird es für den Erblasser erforderlich, eine sogenannte „Rechtswahl“ zu treffen, um die Anwendung des Erbrechts desjenigen Landes sicherzustellen, dessen Staatsbürgerschaft er besitzt. Die Rechtswahl erfolgt in Form einer Verfügung von Todes wegen, die bestenfalls gemeinsam mit dem Testament vorzunehmen ist. Lebt der Erblasser außerhalb der EU, wenden deutsche Gerichte in jedem Fall das Recht des betreffenden Nicht-EU-Staates an.

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