Körperspende in Deutschland: Kosten, Ablauf und Voraussetzungen

28.05.2019 / Bestattungen & Friedhof

Bei der Körperspende entschließt sich ein Mensch, seinen Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Oft dienen Körperspenden dazu, Medizin-studenten oder Fachärzte im Uniklinikum auszubilden. Viele Menschen entscheiden sich auch aus finanziellen Gründen dafür.

OP-Tisch für eine Körperspende

Körperspende: Mein Körper für die Wissenschaft

Damit angehende Ärzte die Anatomie des Körpers kennen lernen können, sind freiwillige Körperspenden für Universitätskliniken seit vielen Jahren unerlässlich. Medizinstudenten haben so die Möglichkeit, unter fachlicher Aufsicht zum ersten Mal an einem echten Körper zu praktizieren und beispielsweise einen Muskel freizulegen. Diese sogenannten Präparierkurse am anatomischen Institut der Uniklinik sind fester Bestandteil jedes medizinischen Studiums und der häufigste Verwendungszweck von Körperspenden. Bei der Fortbildung bereits praktizierender Ärzte kommen ebenfalls häufig Körperspenden zum Einsatz. Dort werden den Ärzten medizinische Neuerungen vermittelt, um die medizinische Versorgungsqualität in Deutschland zu erhöhen.

In den meisten Fällen wird der Leichnam nach dem Präparierkurs dem Bestatter übergeben, um die Beisetzung vorzunehmen. Nur in wenigen Ausnahmen wird der Leichnam in die Lehrsammlung des anatomischen Instituts aufgenommen und verbleibt dort für mehrere Jahre.

Voraussetzungen für die Körperspende

Grundsätzlich kann jeder Mensch in Deutschland Körperspender werden. Allerdings genügt es nicht, dies im Testament zu vermerken. Stattdessen muss noch zu Lebzeiten eine sogenannte Körperspendeerklärung mit dem nächstgelegenen anatomischen Institut einer Universität vereinbart werden. Ist ein Körperspender gleichzeitig Organspender, hat die Organspende Vorrang. Ob nach der Entnahme der Organe noch eine Körperspende in Frage kommt, muss im Einzelfall geprüft werden.

Ein Ausschlusskriterium zur Körperspende sind Erkrankungen im Sinne des Bundesseuchengesetzes. Dazu zählen zum Beispiel Tuberkulose, Virushepatitis, Meningitis und eine HIV- Infektion. Eine Körperspende ist auch nicht möglich, wenn der Körper durch einen Unfall oder Suizid schwere Verletzungen aufweist. Voraussetzung ist zudem, dass der Sterbeort innerhalb des Einzugsgebietes der Universität liegt. Der Radius beträgt meist zwischen 30 und 100 Kilometer. Bei einem Umzug außerhalb des Einzugsgebiets ist eine Körperspende nicht mehr möglich.

Ablauf einer Körperspende

Um als Körperspender bei einem anatomischen Institut geführt zu werden, müssen Interessenten zunächst ein Fragebogen und ein Antragsformular ausfüllen. Darin werden Vorerkrankungen abgefragt und Wünsche zur Beisetzung aufgenommen, etwa eine Beisetzung nach katholischer/evangelischer Ordnung. Die anatomischen Institute melden sich innerhalb von acht Wochen zurück, ob sie den Antrag zur Körperspende annehmen. Sollte das Institut eine Gebühr erheben, muss diese nun beglichen werden. Alternativ kann auch die Sterbegeldversicherung in Höhe der Gebühr an die Universität abgetreten werden. Hierfür ist die Angabe der Versicherungsnummer notwendig.

Im Fall des Todes müssen Angehörige oder andere nahestehende Personen das anatomische Institut umgehend informieren. Die Mitarbeiter beauftragen dann einen Bestatter, der den Leichnam überführt. Anschließend wird er konserviert und ins Kühlhaus gebracht. Nach ein bis zwei Jahren steht er dann im Präparierkurs zu Aus- und Fortbildungszwecken den angehenden Ärzten zur Verfügung. Wenn der Kurs zu Ende ist, lässt die Universität den Leichnam einäschern und lädt (auf Wunsch) die Angehörigen zu einer Gedenkfeier und Urnenbeisetzung ein. Zwischen dem Ableben und der Beisetzung liegen somit in der Regel ca. drei Jahre. Dies sollten Körperspender möglichst früh gegenüber ihren Angehörigen kommunizieren.

Kostet eine Körperspende Geld oder bekomme ich Geld?

Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Körperspende, weil sie die Bestattungskosten nicht ihren Angehörigen zumuten möchten (mehr zu den Bestattungskosten). Wer dagegen seinen Körper nach dem Ableben der medizinisch-wissenschaftlichen Ausbildung zu Verfügung stellt, muss mit keinen Beerdigungskosten rechnen. Um die vielen Ausgaben für die Bestattung zu finanzieren, erheben aber inzwischen viele anatomische Institute eine Gebühr für die Körperspende. Diese Gebühr beträgt in der Regel zwischen 250 und 1.250 Euro. Bei einigen Universitäten ist die Körperspende aber nach wie vor kostenfrei. Dazu zählt zum Beispiel die Ruhr-Universität Bochum.

Eine finanzielle Vergütung gibt es aus rechtlichen und ethischen Gründen für die Körperspende aber auch nicht. Das anatomische Institut der Universität bezahlt jedoch die Überführung des Leichnams vom Sterbeort zur Universität und später zum Friedhof. Außerdem kommt es für die Kosten des Sarges, die Gedenkfeier und die Beisetzung in einem Urnengrab auf. Die meisten Universitäten haben für Körperspender einen eigenen Bereich auf dem Friedhof gepachtet und bezahlen auch eine Grabplatte und die Grabpflege.

Die tatsächlichen Kosten bei der Körperspende

Obwohl nach wie vor noch Universitäten eine kostenlose Körperspende ermöglichen, fallen oftmals trotzdem Kosten an.

  • Wer gerne an seinem Heimatort oder in einer Familiengrabstätte/neben seinem Ehepartner beerdigt werden möchte, muss die Kosten für die Überführung und Beisetzung selbst aufbringen.
  • Besondere Wünsche zur Grabpflege und Grabsteingestaltung können ebenfalls mit zusätzlichen Kosten verbunden sein.

Was passiert, wenn meine Körperspende abgelehnt wird

Die Kapazitäten der Uni-Kliniken sind mittlerweile so stark ausgelastet, da es stetig steigende Anfragen für Körperspenden gibt. Das führt dazu, dass vermehrt Anfragen abgelehnt werden. Außerdem kann die Universität die Körperspenden aus weiteren Gründen ablehnen. Zum Beispiel wenn der Körper nach einem Unfall schwere Verletzungen aufweist oder es eine Organspende gab.  

Trotz Körperspendeerklärung kann es also vorkommen, dass die Angehörigen einen geringen zusätzlichen Betrag oder sogar die vollständigen Bestattungskosten (etwa bei einem Unfall) übernehmen müssen. Mit einer Sterbegeldversicherung können Sie jedoch Ihre Angehörigen in diesen Fällen finanziell entlasten. Das Geld aus der Sterbegeldversicherung kann auch dazu verwendet werden, um die Gebühren einer Körperspende zu begleichen.

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