Sterbebegleiter

Sterbebegleitung: Wenn ein Gespräch wichtiger ist als jedes Medikament

29.10.2018 / Vorsorge

Wenn ein Mensch an einer unheilbaren Krankheit erkrankt und im Begriff ist zu sterben, löst dies in ihm und seinen Angehörigen Ängste, oft auch Unverständnis aus. Er muss Familie und Freunde zurücklassen, steht vor der Ungewissheit, was nach dem Tod geschieht und muss sich womöglich von Träumen verabschieden, die er nicht mehr realisieren kann. Ein Sterbebegleiter unterstützt in dieser letzten Lebensphase. Er gibt Halt, spendet Trost und vermittelt Sicherheit.

Sterbebegleiter nehmen die Einsamkeit

Nicht immer können Angehörige einem sterbenden Menschen in den letzten Wochen oder Tagen seines Lebens beistehen. Oft ist der Kontakt zu einem Menschen, der im Sterben liegt sehr schmerzlich und entwickelt sich zu einer emotionalen Belastung für die Angehörigen – denn die Trauer und der Verlustschmerz beginnen. Auch große Distanzen zwischen den Wohnorten können dazu führen, dass sich Menschen kurz vor dem Tod einsam und verlassen fühlen.

In dieser Phase nehmen geschulte Sterbebegleiter Anteil an der Situation, nehmen sich Zeit, um Trost zu spenden und Nähe zu vermitteln. Das Pflegepersonal allein kann dies in solchem Maße nicht leisten. Noch einmal werden ihm wertvolle Momente geschenkt, um sich auszutauschen, zu erinnern und abzuschließen. Diese Dinge sind wichtiger, als jedes Medikament, da der Mensch noch einmal Mensch sein kann und auslebt, wer er wirklich ist. Dabei steht nicht der nahende Tod im Mittelpunkt, sondern das Aufleben des Menschen. Er soll nicht bemitleidet, vielmehr verstanden werden. Er soll seine Geschichte erzählen dürfen, gleichbehandelt werden, um in Würde seine Angehörigen zu verlassen.

Ein paar schöne Momente im traurigen Alltag

Patienten auf einer Palliativstation oder auch in einem Hospiz wissen, dass sie sich in der letzten Lebensphase befinden. Sie können vielen Hobbies nicht mehr nachgehen, nicht mehr arbeiten und halten sich größtenteils im Bett auf. Es umgibt sie viele Fragen zum Tod, den Angehörigen und auch der Vergangenheit. Dazu können krankheitsbedingt Schmerzen auftreten. Für den Sterbenden und auch seine Angehörigen ist das eine schwierige und belastende Situation.

Ein Sterbebegleiter kann hier die Bürde von den Angehörigen nehmen, weil er dazu ausgebildet ist, einen empathischen Austausch zu pflegen und jeden Menschen ganz individuell zu begleiten. Das kann auf unterschiedlichstem Wege passieren: Dazu gehören auch schon die kleinen Dinge des Lebens, wie die Entlastung des Betroffenen durch einen langen harmonischen Spaziergang oder ein ausgiebiges Gespräch – auch mit den Angehörigen. Der Fokus liegt darin, sich in die Bedürfnisse des Menschen einzufühlen, ihnen die Hilflosigkeit und Angst zu nehmen. Manchmal reicht es aus, einfach da zu sein und die Hand zu halten.

Ausbildung zum Sterbebegleiter

Sterbebegleitung wird sowohl von Ärzten, Therapeuten und Seelsorgern als auch durch Angehörige oder ehrenamtliche Kräfte geleistet. Angehenden Sterbebegleitern, die keine professionelle Berufsausbildung in dem Bereich haben, wird in einer Art Schulung, die von Hospizen oder Palliativstationen von Krankenhäusern angeboten wird, zunächst die Scheu vor dem Tod genommen. Es wird über Krankheiten gesprochen, die Menschen vor dem Tod stark verändern können – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Ausgeprägte Empathie und das Verständnis für den Tod sind deshalb unabdingbar.

Aber nicht nur der zwischenmenschliche Kontakt zu den Sterbenden wird angehenden Sterbebegleitern nahegebracht, es liegt ebenso ein Fokus auf den Angehörigen. Nicht selten muss der Seelsorger Familienangehörige mitbetreuen und ihnen Ängste, Sorgen oder Unverständnis nehmen. Dabei muss er stets auf unerwartete Situationen gefasst sein, denn für viele Angehörige ist der Tod nicht greifbar.

Sterbebegleiter nehmen einiges mit

Menschen, die sich der Sterbebegleitung annehmen, leben intensiver. Sie lernen das Leben noch mehr zu schätzen, ärgern sich nicht mehr so sehr über Kleinigkeiten und fressen ihren Frust nicht in sich hinein. Sterbebegleiter bekommen viel von den Menschen zurück. Das ist der Grund, warum viele von ihnen ihre Tätigkeit nicht mehr aufgeben. Der Abschied von den betreuten Menschen kann zwar schwer sein, aber die Dankbarkeit bleibt auch über den Tod hinaus bestehen.

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