Nachhaltige und umweltfreundliche Bestattungen

30.11.2021 / Bestattungen & Friedhof

Wer sich schon zu Lebzeiten Gedanken um die Umwelt macht, kann dies auch für den letzten Weg fortführen. Denn auch mit unserer Bestattung setzen wir CO2-Emissionen frei.

Klimaschutz ist DAS Thema unserer Zeit. Verständlich, wenn man die Erkenntnisse der Wissenschaft aufmerksam verfolgt. Doch was hat Klimaschutz mit dem Tod zu tun? Klimaneutrale und nachhaltige Bestattungskonzepte sind bereits in aller Munde und lassen sich unkompliziert umsetzen. Mittlerweile bietet die Bestattungsbranche eine Menge vielseitiger Möglichkeiten, sodass Hinterbliebenen gemeinsam mit einem Bestatter eine schöne und umweltfreundliche Bestattung organisieren können.

Wie schaden Bestattungen unserer Umwelt und wie machen wir es besser?

Deutschland verzeichnet rund 900.000 Sterbefälle pro Jahr. Bei der Organisation der Trauerzeremonie und des Begräbnisses gibt es eine Reihe von Punkten, die für eine nachhaltige Bestattung umgesetzt werden können. Diese sollten bestenfalls schon zu Lebzeiten festgehalten und vor allem mit den Angehörigen für den letzten grünen Weg besprochen werden. Denn was viele nicht wissen: Beerdigungen können zu einer erheblichen Belastung für die Umwelt werden, indem Chemikalien den Böden schaden und fossile Brennstoffe und Gase die Luftqualität verschlechtern.

Eine Erdbestattung ist aufgrund ihres geringeren CO2-Ausstoßes nach Einschätzung von Experten etwas ökologischer als eine Feuerbestattung. Schadstoffe könnten z.B. durch den Sarg oder künstliche Gelenke in den Boden gelangen. Eine Feuerbestattung hingegen weist einen deutlichen höheren Energieaufwand aus. Zudem kann die Asche zwar als Dünger wirken, jedoch ebenfalls umweltschädlich für den Boden sein. Sollte dennoch eine Feuerbestattung gewünscht sein, kann für den Sarg eine Holzart mit einem hohen Heizwert gewählt werden. So wird das energieintensive Nachbrennen der Gasöfen verhindert. Eine biologisch abbaubare Urne zersetzt sich in der Erde und hinterlässt keine Schäden in der Natur.

Umweltfreundlich bestatten

Wer auf einen neutralen letzten Fußabdruck Wert legt, sollte folgende Punkte berücksichtigen:

  1. Einen möglichst geringen CO2-Ausstoß, durch die Wahl der Bestattungsform und klimafreundliche Anreise
  2. Recyclebare Materialen, bei der Wahl Sargs oder der Urne, der Dekoration und bei möglichen Grabbeigaben
  3. Regionale Produkt- und Dienstleisterauswahl gerade in Hinblick auf die Verpflegung während der Trauerfeier

Mittlerweile gibt es in vielen Städten Bestattungsinstitute, die sich voll und ganz einem ökologischen Fußabdruck widmen. So beziehen sie Strom aus regenerativen Energien und verfügen über modernste Filteranlagen. Da das Thema auch in der Bestattungsbranche einen immer größeren Stellenwert erhalten hat, findet man auch online Konzepte für mehr Nachhaltigkeit nach einem Trauerfall. Welche nachhaltigen Entscheidung bereits heute getroffen werden können, beschreiben wir im Folgenden:

Der Sarg und sein Inhalt

Lokale Schreinereien können Särge ohne große Transportwege auf Wunsch anfertigen. Hier gilt es zum einen auf unbehandeltes Naturholz zu setzen und zum anderen sollten die Griffe ebenfalls aus Holz sein. Die Polsterung des Sarges sollte aus natürlichen Stoffen bestehen und vollständig biologisch abbaubar sein. Ist die Kleidung des Verstorbenen z.B. aus Polyester dauert es Jahrzehnte, bis sie sich in der Erde zersetzt. Baumwoll- oder Leinenkleidung hingegen geht nach einigen Monaten spurlos in die Erde über. Schmuck und künstliche Grabbeigaben stören die natürlichen Prozesse in der Erde, daher sollte für eine umweltfreundliche Bestattung darauf verzichtet werden.

Blumen und Dekoration

Blumenschmuck ist trotz seiner Grüne oft nicht nachhaltig. Lange Wege und die Zucht im Treibhaus haben eine schlechte Ökobilanz. Alternativen bieten lokale Selbstpflücker-Blumenfelder oder Blumenhandlungen, die Floristik saisonal und regional anfertigen. Tischdekoration für die Trauerfeier ist eine schöne Art, die gedrückte Stimmung etwas aufzuhellen. Auch hier sollte auf Nachhaltigkeit geachtet werden, z.B. in dem anstelle von neuen, einmaligen Dekoartikeln bereits vorhandene Dekoration von Zuhause mitgebracht wird.

Trauerfeier und Trauerkaffee

Auch bei der Trauerfeier lässt sich gut auf den ökologischen Fußabdruck achten. Von der Einladung bis zum Trauerkaffee bestehen nachhaltige Varianten, die nicht unbedingt teurer sein müssen. Naturpapier für die Einladungen; Familienmitglieder, die Fahrgemeinschaften bilden; Trauergäste, die mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen - dies sind nur ein paar der Aspekte, die zu einer verantwortungsvollen Bestattung beitragen. Beim Essen kann man auf lokale Caterer setzen, welche mit saisonalen und regionalen Zutaten klimafreundliche Gerichte zubereiten.

Grabbepflanzung und Kompensation

Was oft vergessen wird: Friedhöfe sind die Naturflecken der Großstädte. So können Grabmahle, die mit Bäumen bepflanzt werden, für eine bessere Luftqualität sorgen. Nachhaltige Bestattungen sind also nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein Zeichen für mehr Verantwortung für zukünftige Generationen. Sollte es bereits zu spät für eine nachhaltige Bestattung sein, haben Hinterbliebene dennoch die Möglichkeit einen ökologischen Beitrag zu leisten. Mit der Unterstützung regionaler Umweltprojekte können Angehörige die Beisetzung kompensieren.

Umweltfreundliche Bestattungsinnovationen

Der Bestattungsmarkt ist im Wandel und es wird stetig an neuen Bestattungsformen geforscht. Eine Neuheit ist der Sarg aus Pilzmyzel. Dieser ökologische Sarg wurde an der Technischen Universität Delft entwickelt und bereits limitiert in den Niederlanden eingesetzt. Der komplett aus dem herangezüchteten Pilz bestehende Sarg löst sich innerhalb von rund 45 Tagen in der Erde auf.

In den USA hingegen wurde kürzlich ein neues Bestattungsverfahren legalisiert, nämlich die Kompostierung von Verstorbenen. Das Ziel ist es also, den menschlichen Köper zu "recyceln". Eingeschlossen in einer Stahlbox werden den menschlichen Überresten warme Luft und organische Materialien zugeführt, die dafür sorgen, dass die Überreste komplett in fruchtbare Erde übergehen. Ein Verfahren, welches sicher auch in Deutschland auf Interesse stoßen wird. Es bleibt spannend, welche weiteren nachhaltigen Methoden den Bestattungsmarkt in den nächsten Jahren bereichern werden.