Sterbehilfe – Was ist erlaubt?

22.06.2020 / Rechtliches

Den Begriff Sterbehilfe haben die meisten Menschen schon mal gehört. Doch was genau bedeutet er – und in welchem rechtlichen Rahmen bewegt sich die Sterbehilfe in Deutschland?

helfende Hände

Wer sich über Sterbehilfe Gedanken macht, steht in der Regel am Scheideweg seines Lebens oder hat Angehörige, für die das gilt. Häufig leiden Menschen an ihrem Lebensende unter großen Schmerzen oder sie haben als Hochbetagte den Lebenswillen verloren. Jeder von uns kann in die Lage kommen, sich Sterbehilfe zu wünschen. Es ist daher wichtig zu wissen, was erlaubt ist und welche Arten der Sterbehilfe es gibt. Schließlich sollte es jedem – trotz hohen Alters oder einer schweren Erkrankung – gestattet sein, über sein Lebensende selbstbestimmt zu entscheiden. Lassen Sie sich im Zweifelsfall ärztlich und anwaltlich beraten.

Sterbehilfe: „Hilfe zum Sterben“ (aktiv) versus „Hilfe im Sterben“ (passiv)

Bei der Hilfe zum Sterben geht es darum, den Tod eines anderen Menschen willentlich und aktiv herbeizuführen oder den Sterbeprozess gezielt zu beschleunigen, was strafrechtlich wie ein Totschlag oder Mord geahndet wird. Im Kern greift der Handelnde bewusst in den Krankheitsverlauf des Patienten ein, um ihm durch Lebensverkürzung Leid zu ersparen. Typisches Beispiel für diese Art der aktiven Sterbehilfe ist das Beenden einer lebenserhaltenden Therapie ohne Zustimmung des Betroffenen. Auch die Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) gehört dazu – das Setzen einer Giftspritze etwa oder das Einflößen eines tödlichen Medikaments wird mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Aktive Sterbehilfe ist fast überall auf der Welt verboten – lediglich in den Beneluxstaaten ist sie gesetzlich erlaubt, in Belgien und den Niederlanden sogar für Kinder.

Anders sieht es bei der Hilfe zum Freitod aus, bei der der Hilfeleistende den Tod des Sterbewilligen nicht selbst aktiv herbeiführt: Da die Selbsttötung in Deutschland kein Strafdelikt ist, kann auch die Beihilfe keines sein. Beim „assistierten Suizid“ stand lediglich die „geschäftsmäßige“ Beihilfe im Fokus des Strafrechts – bis das Bundesverfassungsgericht die Handhabung als verfassungswidrig einstufte und damit für nichtig erklärte (Urteil vom 26. Februar 2020, Az.: 2 BvR 2347/15).

Die Karlsruher Richter betonen das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben. Das Grundsatzurteil räumt jedem Menschen das Recht ein, das eigene Leben in freier Entscheidung zu beenden und dafür die Hilfe anderer in Anspruch zu nehmen. In der Praxis bedeutet dies, dass nun auch Ärzte bei einem Freitod unterstützend tätig werden dürfen – ohne mit Strafverfolgung rechnen zu müssen.

Das Bundesverfassungsgericht trägt mit seinem Urteil nicht zuletzt dem Rechtsverständnis einer großen Mehrheit der Bevölkerung Rechnung. So hatte das Institut für Demoskopie Allensbach bereits im Jahr 2015 über eine Umfrage ermittelt, dass 63 Prozent aktive Sterbehilfe – im Sinne eines „assistierten Suizids“ – befürworten. Lediglich 15 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, während 22 Prozent zu dem Thema keine Meinung hatten oder keine Angaben machten.

Passive Sterbehilfe – vom Abbrechen lebensverlängernder Maßnahmen

Neben dem „assistiertem Suizid“ gibt es darüber hinaus die passive Sterbehilfe. Damit ist gemeint, lebensverlängernde Maßnahmen (künstliche Zufuhr von Nahrung und Flüssigkeit, Bluttransfusionen) einzustellen oder eine Herz-Lungen-Maschine abzuschalten. Im Kern handelt es sich um bewusstes „Sterbenlassen“, wenn der Tod ohnehin bevorsteht. Diese Art der passiven Sterbehilfe ist ebenfalls erlaubt, wenn eine Willensäußerung des Betroffenen vorliegt – beispielsweise in Form einer gültigen Patientenverfügung. In diesem Fall spricht man auch von freiwilliger Sterbehilfe, da der Sterbehilfe ein ausdrücklicher Sterbewunsch des Patienten zugrunde liegt.

Liegt keine Willensäußerung zu lebensverlängernden Maßnahmen vor und ist der Patient dauerhaft außerstande, seinen Willen zu äußern (Dauerkoma), treffen oft die Angehörigen in Absprache mit den behandelnden Ärzten die Entscheidung, lebensverlängernde Maßnahmen nicht fortzusetzen. Bei dieser nicht-freiwilligen Sterbehilfe handeln die Angehörigen und Ärzte im Sinne und nach dem mutmaßlichen Willen des äußerungsunfähigen Betroffenen. Als eine Form der passiven Sterbehilfe bewegt sich auch dies im Rahmen des gesetzlich Erlaubten.

Indirekte Sterbehilfe als Inkaufnahme einer Lebensverkürzung

Der Tod eines Patienten lässt sich zu guter Letzt indirekt herbeiführen – etwa durch Behandlungen, die zwar den Zustand bessern, aber gleichzeitig die Lebensdauer verkürzen. Dies trifft auf viele Schmerzbehandlungen zu, die einen „vorzeitigen“ Tod quasi in Kauf nehmen (Palliativmedizin). Das frühere Sterben ist dabei nicht mehr als eine unbeabsichtigte Nebenfolge. Auch dies ist legal – einer Willensäußerung oder Patientenverfügung bedarf es zudem nicht.

Andere Bedeutungen des Wortes „Sterbehilfe“

Der Begriff „Sterbehilfe“ findet auch in einem anderen Zusammenhang Verwendung – nämlich als Synonym für Sterbebegleitung. Sterbebegleitung hat zum Ziel, alten oder kranken Menschen in den letzten Tagen vor ihrem Tod beizustehen – etwa durch Anwesenheit, Berührungen, Gespräche und Gebete. Sterbebegleitung erfolgt durch Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten sowie durch Freunde und die Familie. Auch kirchliche und karitative Einrichtungen bieten Sterbebegleitung an. Nähere Informationen dazu finden Sie im Artikel über die Sterbebegleitung.

Den eigenen Willen mit einer Patientenverfügung bekräftigen

Eine Patientenverfügung hat insbesondere für die passive Sterbehilfe eine große Bedeutung. Hier ergeben sich Konflikte aus der rechtlichen Situation: Ärzte sind verpflichtet, Leben zu erhalten – lebenserhaltende Maßnahmen abzubrechen, steht diesem Auftrag entgegen. Unter Umständen tun sich auch die Angehörigen schwer damit, solch eine Entscheidung zu treffen.

Mit einer Patientenverfügung lässt sich regeln, wie verfahren werden soll, wenn sich das eigene Leben nur noch mit künstlichen Maßnahmen aufrechterhalten lässt und eine Besserung des Zustands mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu erwarten ist. Für den Fall, dass Sie Ihren Willen nicht mehr äußern können, legen Sie vorab fest, welche Maßnahmen Sie für bestimmte Situationen wünschen – und welche nicht. Ihre Wünsche hinsichtlich palliativmedizinischer Maßnahmen können Sie ebenfalls kundtun. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel über die Patientenverfügung.