Der Tod in sozialen Netzwerken

31.08.2020 / Vorsorge

Was passiert eigentlich mit unserem Facebook-Profil, wenn wir versterben? Ob Gedenkzustand oder Löschung des Profils - die meisten sozialen Netzwerke bieten verschiedene Möglichkeiten an, wie mit dem Profil nach dem Tod verfahren werden soll.

Wie nutzen wir Social Media?

Rund die Hälfte der Deutschen ist in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet. Sei es, um in Kontakt mit der Familie oder alten Schulfreunden zu bleiben, Politik und Weltgeschehen zu verfolgen oder berufliche Netzwerke auszuweiten. Als erstes Soziales Netzwerk war MySpace 2002 der Vorreiter, zwei Jahre später wuchs dann mit Facebook die Begeisterung für soziale Netzwerke immens. Auch heute noch dokumentieren viele Nutzer nahezu jedes kleinere oder größere Lebensereignis. Im Durchschnitt verbringen wir zwei Stunden und 16 Minuten damit, geteilte Inhalte zu konsumieren oder selbst Inhalte aus unserem Leben zu teilen. Ob auf Twitter in wenigen Worten, bei Facebook mit Videos und längeren Texten, bei Instagram in einer ausgeprägten Bildsprache oder bei XING und LinkedIn im Business-Kontext.

Und was passiert nach dem Tod?

Wer zu den Nutzern zählt und schon mal einen geliebten Menschen mit aktivem Profil verloren hat, der kennt es vielleicht bereits. Viele Netzwerke stellen seit geraumer Zeit verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wie mit dem Profil eines Verstorbenen nach seinem Tod verfahren werden kann. Vom Löschen des Profils bis hin zu dem sogenannten Gedenkzustand bei Facebook kann jeder Nutzer das virtuelle Leben selbstbestimmt für das eigene Ableben vorbereiten.

Was bedeutet der Gedenkzustand für ein Facebook-Profil?

Die Vorbereitung für ein Facebook-Profil im Gedenkzustand muss noch zu Lebzeiten vom Nutzer eingestellt werden. Dazu muss im ersten Schritt ein Nachlasskontakt angegeben werden. Dieser Nachlasskontakt hat im Todesfall einen eingeschränkten Zugriff auf den jeweiligen Account und darf folgendes ausführen:

  • Es können neue Freundschaftsanfragen angenommen werden
  • Das Profilbild kann durch eine Trauersymbolik austauscht werden
  • Beiträge von Freunden auf der Pinnwand können zugelassen oder verweigert werden
  • Der Account kann endgültig gelöscht werden

Doch auch diese Nutzung steht weiterhin unter dem Vorbehalt der Privatsphäre-Einstellungen, die bereits vorher für das Facebook-Konto galten. Auch kann der Nachlasskontakt keine privaten Nachrichten einsehen oder vorherige Posts löschen, sondern ausschließlich Beiträge verwalten, die nach deinem Tod erstellt wurden.

Wie kann ich mein Facebook-Konto in den Gedenkzustand versetzen?

Dies kann nur von einem vorher benannten Nachlasskontakt nach deinem Tod übernommen werden. Ein Nachlasskontakt kann schnell und unkompliziert ernannt werden, dazu findet man unter den allgemeinen Kontoeinstellungen im Drop-Down-Menü den Punkt "Allgemein". Hier hat man unter "Konto verwalten" die Option einen Nachlasskontakt anzugeben. Dieser muss ebenfalls ein aktives Facebook-Profil besitzen. Mit dem Hinzufügen dieses Profils bekommt die ernannte Person eine Benachrichtigung per E-Mail über seine Rolle.

Was sind die Vorteile eines Gedenkzustandes?

Das Profil einer verstorbenen nahestehenden Person weiterhin regelmäßig online zu sehen, kann schmerzlich sein. Während manch ein Hinterbliebener die digitale Visitenkarte des Verstorbenen nur zu gerne ausblenden würden, hilft es anderen bei der Trauerverarbeitung. Alte Fotos zu durchstöbern und in Erinnerungen zu schwelgen oder zu Geburtstagen neben vielen anderen trauernden Facebook-Freunden einen Gruß zu hinterlassen kann tröstlich sein.

Welche Möglichkeiten gibt es bei den anderen Netzwerken?

Instagram

Da Instagram zu Facebook gehört, bestehen dort dieselben Möglichkeiten das Profil in den Gedenkzustand zu versetzen wie bei Facebook. Auch können legitimierte Familienangehörige der verstorbenen Person die Deaktivierung des Kontos beantragen.

Twitter

Auch bei Twitter ist es möglich, einen Nachlasskontakt anzugeben. Sollte dies nicht geschehen sein, kann ein unmittelbares Familienmitglied die Löschung des Profils direkt bei Twitter beantragen.

XING

Bei XING können Hinterbliebene durch eine E-Mail den Tod des Nutzers bestätigen. XING setzt das Konto somit auf unsichtbar und löscht dieses nach drei Monaten.

LinkedIn

Auf LinkedIn gibt es die Möglichkeit durch ein Formular die Löschung des Profils zu beantragen . Dieses muss von einem näherstehenden Angehörigen in englischer Sprache ausgefüllt werden.

Pinterest

Bisweilen hat Pinterest nur wenige Information für die Beantragung der Konto-Löschung zur Verfügung gestellt. Demnach gibt es auf einer Deaktivierungshilfeseite ein auszufüllendes Formular, welche nahestehende Familienmitglieder an das Unternehmen senden können.