Testament: So regeln Sie Ihr Erbe rechtsgültig!

Ein Testament gibt Ihnen große Gestaltungsspielräume, die weit über Ihren eigenen Tod hinausreichen. Sie möchten von der gesetzlichen Erbfolge abweichen und stattdessen Menschen Ihrer persönlichen Wahl einsetzen? Sie wollen die Verwendung Ihres Erbes an bestimmte Bedingungen knüpfen? Viel mehr noch als die Sterbegeldversicherung gibt Ihnen ein Testament die Möglichkeit, die Hinterbliebenen finanziell abzusichern – weitgehend nach Ihren Wünschen.

Leider enthalten viele Testamente Fehler, die den „letzten Willen“ schlimmstenfalls sogar ungültig machen. Wie Sie Ihr Testament selbst schreiben und dabei folgenschwere Fehler vermeiden – darum wird es im Folgenden gehen. Neben dem Testament ohne Notar geht es auch um ein Testament mit Notar und die einhergehenden Kosten.

Wann ist ein Testament sinnvoll?

Ein Testament ist sinnvoll für jeden, der Vermögen zu vererben hat. Denn nur ein Testament eröffnet Ihnen die Möglichkeit, über Ihr Vermögen für den Fall des Todes frei in Ihrem Sinne zu verfügen und die gesetzliche Erbfolge zu umgehen. Als Immobilienbesitzer können Sie mit Ihrem Testament der Entstehung einer Erbengemeinschaft sowie von Streit unter den Erben vorbeugen. Auch für Paare, die nicht in einer Ehe oder eingetragenen Lebenspartnerschaft zusammenleben, ist es wichtig, sich frühzeitig über Regelungen hinsichtlich des Nachlasses Gedanken zu machen. Ein Testament zu verfassen, ist also in fast allen Lebenslagen sinnvoll. Lediglich wer nichts zu vererben hat, kann darauf verzichten.

Testament ohne Notar? Vor- und Nachteile einer privatschriftlichen Verfügung

Wollen Sie ein Testament abfassen, reichen dazu ein Blatt Papier und ein Stift. Wenn Sie sachlich, verständlich und gut lesbar Ihren letzten Willen niederschreiben, haben Sie bereits vieles richtig gemacht und ein sogenanntes privatschriftliches Testament aufgesetzt. Eine Garantie, alle juristischen Regeln befolgt zu haben, gibt Ihnen das leider nicht.

Deutlich sicherer, aber mit Kosten versehen, ist ein notarielles Testament. Vor allem, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Ehepartner etwas vererben möchten oder Ihre Handschrift schwer entzifferbar ist, führt kaum ein Weg an einem Notar vorbei. Der Notar verschriftlicht Ihre Wünsche und verwendet dabei korrekte, rechtlich unanfechtbare Formulierungen – gegen eine Gebühr, die nach Vermögenswert gestaffelt ist. Außerdem hinterlegt er Ihr Testament im Notariat und im digitalen „Zentralen Testamentsregister“. Dort ist es sicher aufgehoben und wird auf jeden Fall gefunden.

Was darf ein Testament beim Notar kosten?

Die Kosten eines Testaments, das Sie mithilfe eines Notars verfassen, hängen von zwei Faktoren ab. Zum einen spielt der Nachlasswert eine wichtige Rolle, zum anderen kommt hier zum Tragen, ob es sich um ein Einzeltestament oder ein gemeinschaftliches Testament, üblicherweise eines Ehepaares, handelt.

Um eine Vorstellung von der Höhe der Notargebühr zu vermitteln: Sie beträgt (Stand September 2021) bei einem Nachlasswert von 25.000 Euro beispielsweise 115 Euro und bei einem Nachlasswert von 250.000 Euro exakt 535 Euro bei einem Einzeltestament – bei einem gemeinschaftlichen Testament erhöht sich die Notargebühr um das Doppelte.

Testament schreiben – Fehler vermeiden

Privatschriftliche Testamente enthalten oft gravierende Fehler. Dies sind die Vorschriften, gegen die besonders häufig verstoßen wird:

  • Handschriftliche Abfassung. Es mag in digitalen Zeiten wie ein Anachronismus wirken, aber Sie müssen Ihr Testament mit der Hand schreiben. Ansonsten ist es ungültig.
  • Datum und Unterschrift. Unten auf dem Dokument müssen Datum und Unterschrift stehen. Das ist nicht so trivial, wie es klingt. Befindet sich die Unterschrift nicht unterhalb der letzten Textzeile, könnte es sich um eine betrügerische Manipulation handeln. Daher müssen alle nachträglichen Testamentsänderungen oder -ergänzungen erneut mit Datum und Unterschrift bestätigt werden.
  • Vollständige Unterschrift. Sicherheitshalber sollten Sie mit Ihrem Vornamen und Ihrem Familiennamen unterschreiben, damit Verwechslungen ausgeschlossen sind.
  • Änderung gemeinschaftlicher Testamente. Hat ein Ehepaar sein Erbe (im Gegensatz zum Einzeltestament) gemeinschaftlich geregelt, müssen selbstverständlich beide Partner unterschreiben. Wichtig zu wissen: Stirbt einer der Partner, ist das Testament für den Hinterbliebenen endgültig und bindend. Änderungen sind dann nicht mehr zulässig.
  • Eindeutige Gültigkeit. Wer ein neues Testament verfassen und das bisherige widerrufen will, sollte das deutlich zum Ausdruck bringen. Denn wenn unklar bleibt, ob der alte Text ganz oder nur teilweise aufgehoben ist, wird ein letzter Wille dadurch vielleicht überhaupt nicht umsetzbar.
  • Inhaltliche Widerspruchsfreiheit. Sie müssen kein Schriftsteller sein, um ein Testament zu verfassen. Allerdings sollten Sie sich um klare Formulierungen bemühen, die keinerlei Zweifel und Interpretationsspielraum zulassen. Es hilft, eine Person zum Gegenlesen ins Vertrauen zu ziehen.

Welche Details lassen sich testamentarisch festlegen?

Außer der Verteilung des Vermögens lassen sich mit einem Testament auch weitergehende Verfügungen treffen. So haben Sie etwa die Möglichkeit, einen (oder mehrere) Ersatzerben einzusetzen – für den Fall, dass der vorgesehene Erbe vor Ihnen verstirbt. Sie können darüber hinaus verfügen, dass bestimmte Personen, auch wenn sie nicht zu den eigentlichen Erben zählen, aus Ihrem Nachlass Dinge erhalten. Man spricht hier vom sogenannten Vermächtnis. Wenn Sie Personen, die zu den Erben zählen, mit wertvollen Gegenständen oder Sachwerten (Wertpapierdepots etc.) bedenken, sollten Sie entscheiden und klar zum Ausdruck bringen, ob diese Übertragung eines Vermögenswertes als eine Schenkung nicht auf den Erbteil anzurechnen ist – oder ob es sich um eine Teilungsanordnung handelt, die in Form einer Anrechnung zulasten des Erbteils geht.

Nachträgliche Ergänzungen

Ihr Testament ist nicht „in Stein gemeißelt“ – Sie können es bei Bedarf Ihren Wünschen entsprechend anpassen oder ergänzen. Wichtig bei allen Ergänzungen ist, dass Sie die Ergänzungen handschriftlich vornehmen und mit Datum und Unterschrift unterhalb der letzten Textzeile versehen. Bei umfangreicheren Änderungen bietet es sich an, ein neues Testament aufzusetzen und das vorherige zu vernichten. Lediglich bei notariellen Testamenten gestaltet sich die Sache etwas aufwändiger: Solch ein Testament müssen Sie nämlich aus der amtlichen Verwahrung zurückverlangen, was einem Widerruf gleichkommt. Um die Sicherheit Ihres notariellen Testaments zurückzuerlangen, ist es notwendig, für die Neufassung mit Ihren Änderungen erneut einen Notar einzuschalten.

Mustertestament verwenden

Um Fehler zu vermeiden, können Sie eine juristisch geprüfte und individuell anpassbare Vorlage verwenden. Wir stellen Ihnen gerne ein Muster-Testament und eine Checkliste kostenlos zur Verfügung.

Pflichtteil und Alleinerben – rechtliche Grenzen für das Testament

Nicht jeder Wunsch, den Sie in Ihrem Testament niederschreiben, ist gesetzlich zulässig. Manches, das unseren Rechtsnormen widerspricht, ist schlicht unwirksam. So ist es nur in seltenen Ausnahmefällen möglich, einen „Alleinerben“ zu bestimmen und zugleich einen Angehörigen in gesetzlicher Erbfolge komplett zu „enterben“. Die eigenen Kinder haben stets ein Anrecht auf den sogenannten Pflichtteil – ganz gleich, was das Testament sagt.

Erbenbrief und individuelle Regelungen

Möchten Sie den Hinterbliebenen eine persönliche Botschaft mit auf den Weg geben, bietet ein Erbenbrief dazu eine sehr gute Möglichkeit. Er lässt sich dem Testament beigefügen, ist aber juristisch nicht relevant. In dem Erbenbrief können Sie als Erblasser beispielsweise die prozentuale Aufteilung Ihres Vermögens auf mehrere Nachkommen begründen.

Sie können in Ihrem Testament zudem ergänzende Regeln festlegen – zum Beispiel, dass eine Erbschaft erst ausgezahlt wird, wenn der Erbe ein bestimmtes Lebensalter erreicht hat. Recht häufig werden Vorerben und Nacherben benannt: In vielen Fällen geht das Vermögen zunächst an den Ehepartner und erst nach dessen Tod an die gemeinsamen Kinder (Berliner Testament). Sogenannte „Teilungsanordnungen“ und „Vermächtnisse“ sind weitere Instrumente, um die Aufteilung der Erbschaft zu konkretisieren.

Die Testamentsvollstreckung

An der Feststellung und Umsetzung des letzten Willens wirken verschiedene Akteure mit, meist ein Notar und das Nachlassgericht, das einen Erbschein ausstellt. Gerade bei größeren Vermögen ist es sinnvoll, dass der Erblasser zudem einen Testamentsvollstrecker benennt. Er kümmert sich statt der potenziellen Erben um alle notwendigen Verfahrensschritte.

Sie mögen geordnete Verhältnisse und möchten nicht, dass Ihre Wunscherben im Todesfall unverhofft vor Schwierigkeiten stehen? Die Sterbegeldversicherung und das Testament sind zwei wichtige Instrumente, um in Ihrem Sinne Sicherheit zu schaffen.

Ein Erbvertrag als Alternative?

Eine deutlich höhere Verbindlichkeit als ein Testament bringt ein Erbvertrag. Er wird zwischen dem künftigen Erblasser und dem beabsichtigten Erben geschlossen. Im Gegensatz zum Testament muss der Erbvertrag stets notariell beglaubigt sein und lässt sich nicht einseitig verwerfen oder kündigen. Der Vorteil dieser Vertragsform: Sie signalisiert dem eingesetzten Erben einen Vertrauensvorschuss und ein Maximum an Sicherheit.

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